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ſchritt des Geiſtes nur langſam ſeyn. Was ſie leiſteten, trat in der Folge erſt hell an's Licht, als ihnen der große Hebel zur Weckung und Belebung der Gei⸗ ſter, die Buchdruckerkunſt, zu Gebote ſtand.
Wenn das Mittelalter weniger durch den Anbau der Wiſſenſchaften be⸗ ruͤhmt iſt, ſo zeigt ſein Charakter ſich deſto groͤßer durch die Werke der Kunſt, die es hervorbrachte. Unter den Kuͤnſten, die das Mittelalter verherrlichten, ſind beſonders die Baukunſt, die Malerei und die romantiſche Dichtkunſt zu er⸗ waͤhnen*). G
Wenn der Charakter der alten(griechiſchen) Baukunſt die Schoͤnheit iſt, ſo laͤßt ſich jener der deutſchen(chriſtlichen) Baukunſt, wie er ſich in den Do— men des Mittelalters ausſpricht, mit dem Ausdruck Erhabenheit bezeichnen. Laͤßt ſich das griechiſche Bauwerk in einzelne harmoniſche Ganze zergliedern; ſo ſind die genannten chriſtlichen Bauwerke nur groß in der Verbindung aller Theile zu einer Geſammtgroͤße.— Die Freunde dieſer Art Baukunſt ruͤhmen vorzuͤglich Folgendes:»In großer Anzahl zu einem Schafte vereint, ſteigen die ſchlanken Saͤulen des Doms empor, und es woͤlben ſich ihre Bogen luftig, wie die ſchattenreichen Wipfelgewoͤlbe des Waldes, und wie ſie, geſchmuͤckt mit Laub und Blumen. Pfeiler von unendlicher Hoͤhe ſpalten ſich, wie Palmen in zahl⸗ loſe Zweige. Eine Mauer umgibt alle Mitglieder der chriſtl. Gemeinde, und Ein Dach woͤlbt ſich, wie der Himmel, uͤber Alle. Die Kreuzesform der Kirche und der nach Morgen gewandte Hochaltar erinnern an den Heiland und das Land der Erloͤſung. Das hohe Chor, vom Schiffe geſchieden und fuͤr ſich ſelbſt ein kleiner Tempel, iſt ein Sinnbild der vom Staate geſonderten und fuͤr ſich beſtehenden Kirche.«— Aus dem Ganzen ſpricht ein gewaltiger Geiſt, der das Gemuͤth nicht mit jener Heiterkeit erfuͤllt, wie der Anblick griechiſcher Werke, ſondern mit Staunen und Ehrfurcht; nur die Richtung des Gemuͤthes auf das
*) Vergl. Dippold Skizzen der allg. Geſchichte.


