Aufsatz 
Über des Mittelalters Licht- und Schattenseite, mit besonderer Hinsicht auf die deutsche Geschichte
Entstehung
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den gemeinen Troß erhob, wie Gerbert, Roger Baco u. A., der lief Gefahr, nicht nur als Zauberer verrufen, ſondern auch als ſolcher gemißhan⸗ delt zu werden. Der durch die Theologie geſtaͤrkte Glaube an die Macht boͤſer Geiſter, an Zauberer und Hexen, hatte mehr Einfluß und Gewalt auf die Ge⸗ muͤther, als die Naturkenntniß einiger erleuchteter Maͤnner. Die Medicin, ebenfalls von den Arabern und ihren Schuͤlern, den Salernitanern, gefoͤrdert, war groͤßten Theils eine Sklavin der Aſtrologie und im Dienſte gewinnſuͤchtiger Speculation.

In der Geſchichte wurde wenig geleiſtet; meiſtens finden wir geſchmackloſe Chronikenſchreiber unter den Moͤnchen. Maͤnner, wie Lambert von Aſchaf⸗ fenburg, Hermannus(contractus) und vor Allen Otto von Freiſingen, waren ſelten.

Die Wiſſenſchaften wurden Anfangs an einzelnen Schulen einzeln gelehrt. In der Rechtswiſſenſchaft zeichnete ſich Bologna aus, in der Heilkunde Salerno. In der Folge entſtanden, nach dem herrſchenden Zunftgeiſte, gelehrte Zuͤnfte oder Koͤrperſchaften Univerſitaͤten. Die Lehrer einer Wiſſenſchaft vereinigten ſich zu engeren Geſellſchaften Fakultaͤten. Alles, was man Brauchbares bei den Gilden, Moͤnchs- und Ritterorden vorfand, ward auf dieſes literariſche Gemeindeweſen uͤbertragen; daher die Stufenfolge der Aemter bei den Profeſſo ren, die Ertheilung der Wuͤrden, die Sonderung der Studenten nach Nationen, die Bildung der Burſchenſchaften. Was ſich fuͤr und gegen das Zunftweſen im Allgemeinen ſagen laͤßt, das gilt auch von den Univerſitaͤten. 4

In Deutſchland wurden nach dem Muſter der im zwoͤlften Jahrhundert entſtandenen hohen Schule zu Paris die Univerſitaͤten Prag(1348) und Wien (1365) eingerichtet, welchen bald eine Menge anderer folgte. Bei dem Ein⸗ fluſſe, welchen die Geiſtlichkeit auf dieſe hoͤheren Bildungsanſtalten hatte, und bei der Herrſchaft der Scholaſtik in denſelben konnte der durch ſie bewirkte Fort⸗