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kaufen mußten. Manchen trieb der Eigennutz, nachdem man aus Erfahrung eingeſehen, daß freien Leuten mehr, als gedungenen Knechten, am Anbau des Landes und am Wohlſtande gelegen iſt. Das Beiſpiel der Kirche wurde von den Rittern nachgeahmt. Sterbende Herren hinterließen ihren Knechten die Freiheit als Vermaͤchtniß, weil ſie hofften, ſich dadurch einen Sitz im Himmel zu ver⸗ ſchaffen; manche Ritter, ehe ſie in's gelobte Land zogen, handelten in eben die— ſem frommen Sinne; andere, durch Fehden und Turniere verarmt, nahmen gern von ihren Knechten das Loͤſegeld an, oder den Zins von dem bebauten Lande. Manche Schaaren von Knechten, kuͤhn gemacht durch den freier gewor⸗ denen Zeitgeiſt, und die Freiheit als das koͤſtlichſte Gut erkennend, ertrotz⸗ ten von ihren Herren das vorenthaltene Recht, und machten ſich unabhaͤngig. Am Leichteſten gelang dieſes denjenigen, die in der Naͤhe großer, maͤchtiger Staͤdte wohnten, auf deren Schutz ſie rechnen konnten. Der Anblick der Reg⸗ ſamkeit in den Staͤdten und ihres bluͤhenden Wohlſtandes mußte ſie zur Nachahmung reizen. In der Bluͤthe und Macht der Staͤdte fand der Bauernſtand eine Hauptſtuͤtze ſeines Emporkommens; und ſeit dem zwoͤlften und dreizehnten Jahr⸗ hunderte ſehen wir den Druck der Knechtſchaft allmaͤhlig ſich vermindern.
c) Staͤdteweſen.
In dem Gemaͤlde des Mittelalters gewaͤhren die Stäͤdte dem, welchem an dem Wohlſtande des Volkes und an der allgemeinen Bildung gelegen iſt, ein erfreulicheres Bild, als das Ritterweſen. Dieſe Werkſtaͤtten des Fleißes,» die ſtehenden Heerlager der Cultur,« wie Herder*) ſie nennt, haben bewirkt, was Prieſter und Regenten nicht bewirken konnten oder mochten; ſie beſchraͤnkten ihre Wohlthaten nicht bloß auf⸗den Umkreis ihrer Mauern, ſondern verbreiteten
*) Herder's Ideen zur Philoſ. der Geſch, der Menſchheit,


