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Oeſtreich, Ludwig von Baiern; und wie ſchrecklich hauſ'te er unter dem traͤ⸗ gen Wenzel und dem ſchwachen Friedrich III., bis endlich die Errichtung des Reichskammergerichtes zur Behauptung des Landfriedens(1495) ſeine Wuth bezaͤhmte!—
In dieſen Zeiten des Fauſtrechts war der Stand des Landbauers der ge⸗ plagteſte. Wehrlos, nicht einmal der Waſſen wuͤrdig geachtet, war er dem Uebermuthe der Ritter und der Naubluſt preis gegeben. Auf ſeinem Grunde wurden die Fehden ausgefochten, ſeine Saaten oft zertreten, ſeine Huͤtte zer⸗ ſtoͤrt. Und welch ein trauriges Bild zeigt ſich uns dem Ritterthum gegenuͤber, in dem Zuſtande der Leibeigenen! Welch eine Zeit, wo Viele der aͤrmeren Leute genoͤthigt waren, ſich ganz einem Maͤchtigen zu ergeben, um nur ge⸗— ſichert zu ſeyn gegen die Raͤubereien derer, die aus dem Rauben ein Ge⸗ werbe machten! Und welcher Druck laſtete auf dem, der eine ſolche Zuflucht hatte ſuchen muͤſſen! An die Scholle gebunden, die er baute, war ſeine Per⸗ ſoͤnlichkeit ganz der Willkuͤhr des Herrn preis gegeben. Wenn auch Karl d. Gr. das Schickſal der Leibeignen zu beſſern ſuchte; ſo war doch ihr Loos in den wilden, kriegeriſchen Zeiten des Mittelalters ungemein hart, bis die Kirche daſſelbe milderte. Die Kirche legte den erſten Grund zu einem freien Bauern⸗ ſtande; das iſt die ſchoͤnſte Perle in ihrer Krone; und was ſie begonnen, vol⸗ lendeten nachher die Staͤdte.
Schon ſeit dem zehnten Jahrhunderte ſehen wir Beiſpiele von Freilaſſungen „zur Ehre Gottes, nach der Lehre des Erloͤſers, die allen Menſchen gleiche Rechte zuerkennt.« Am Ende des eilften Jahrhunderts mußte auf das Gebot des Papſtes jedem Knechte, der das Kreuz nahm, um fuͤr das gelobte Land zu kaͤmpfen, die Freiheit gegeben werden. Was Anfangs aus frommer Geſinnung entſprang, das geſchah auch hin und wieder aus Citelkeit, um edel und groß⸗ muͤthig zu ſcheinen, oder aus Habſucht, weil ſich die Knechte die Loslaſſung er⸗


