Aufsatz 
Über des Mittelalters Licht- und Schattenseite, mit besonderer Hinsicht auf die deutsche Geschichte
Entstehung
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Schloͤſſern der Fuͤrſten, an dem geraͤuſchvollen, kriegeriſchen und betriebſamen Leben in den Staͤdten; es war doch eine hoͤchſt traurige Zeit, wo das Geſetz nichts galt, wo die Gewalt ſtatt des Rechtes, die Fauſt ſtatt des Wortes ent⸗ ſchied; wo der friedliche Buͤrger, der arme Landmann unterdruͤckt wurde; wo die Staͤdte ſich genoͤthigt ſahen, hinter hohen Mauern ihren Schutz zu ſuchen, und zur Sicherung ihres Handels große Verbindungen unter einander zu ſchlie ßen! In dieſer Fehdenzeit wurde ſelbſt das kaiſerliche Wort oft wenig geachtet, ſehr oft trotzig verachtet, und mancher Kaiſer trug durch Schwaͤche oder Schlech⸗ tigkeit nicht wenig dazu bei, dieſes Unweſen zu vermehren. Unter den Karolin⸗ gern gab Ludwig, der Fromme, der mit der Krone nicht den Geiſt ſeines kraͤf⸗ tigen Vaters geerbt hatte, mit ſeinen Soͤhnen das Beiſpiel der Gewaltthaͤtigkeit im Großen, und ſeitdem behielt die Gewalt in der Regel die Oberhand, und die Fauſt entſchied die Streitigkeiten. Stellten auch Heinrich I. und Otto I. im Ganzen Ruhe und Ordnung wieder her; ſo tobte nachher die Fehdeſucht deſto mehr unter Otto II., Otto III. und Heinrich II. Wurde der widerſpaͤnſtige Geiſt gebaͤndigt unter Konrad II. und vorzuͤglich unter Heinrich III., ſo erhob er ſich deſto zuͤgelloſer unter Heinrichs IV. ungluͤcklicher Herrſchaft. Selbſt un⸗ ter den kraftvollen Hohenſtaufen gewann der Fehdegeiſt an Staͤrke und erhielt gleichſam geſetzliches Anſehen durch die Verordnung Friedrichs I., daß eine jede Fehde drei Tage vorher angekuͤndigt werden ſollte.

Wie wuͤthete das Fauſtrecht in Deutſchland unter Otto IV. und Philipp von Schwaben, und waͤhrend Friedrichs II. Abweſenheit in Italien! Den Cul⸗ minationspunkt erreichte es nach Konrad IV. zur Zeit der Anarchie(waͤhrend des Interregnums), bis endlich Rudolf von Habsburg den Landfrieden auf fuͤnf Jahre beſchwoͤren ließ, und die Burgen der Raubritter zerſtoͤrte. Aber unter ſeinen Nachfolgern kehrten die ungluͤcklichen Zeiten wieder. Der wilde Fehdegeiſt brach von Neuem los unter Adolf von Naſſau, Albrecht von