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ſich nach dem Muſter geiſtlicher Verbindungen eigene Ritterorden, deren Zweck es war, die Pilger zu ſchirmen und das heil. Grab zu ſchuͤtzen, die Kranken zu pflegen und die Unglaͤubigen zu bekaͤmpfen. Die beruͤhmteſten ſind die Johanni⸗ ter, die Templer und der deutſche Orden der Kreuzherren. Dem Ritterthum wurde ſo das Moͤnchthum eingeimpft, da die Ordensbruͤder die gewoͤhnlichen Moͤnchsgeluͤbde ſchwoͤren mußten.— Das Ritterweſen hat, aus der Ferne be⸗ trachtet, und beſonders in den Zeiten der erſten Reinheit, etwas Ergreifendes und Begeiſterndes fuͤr jugendlich-feurige Gemuͤther. Das Romantiſche gibt der Phantaſie hohen Schwung. Die Verbindung von Kraft und Milde, z. B. im Charakter eines Gottfried von Bouillon, erregt unſere Bewunderung, unſere Achtung. Staunend ſehen wir, wie(um mit dem Dichter*) zu reden)» die »„Loͤwen der Schlacht, gekleidet mit der Schuͤrze des Waͤrters, dem Lechzenden »Labung bereiten;« und wir ſegnen die Religion des Kreuzes, welche„die Palmen der Demuth und der Kraft zu Einem Kranze verbindet;« ſie, welche al⸗ lein die angeborne und im Kampfe vermehrte Wildheit zaͤhmen konnte.“
Unſere Bewunderung aber wird ſich wieder vermindern, unſere Begeiſterung ſich abkuͤhlen, wenn wir die Schattenſeite des Ritterthums betrachten: die Roh⸗ heit, Wildheit und Unwiſſenheit dieſer kriegeriſchen Kaſte; ihre Fehdeluſt, ge⸗ naͤhrt durch die altgermaniſche Sitte, alle Beleidigung mit dem Schwerte zu raͤchen, und geheiligt durch den Glauben, der den Zweikampf als Gottesurtheil anſah; die ewigen Kaͤmpfe unter den Rittern ſelbſt, mit den Staͤdten und Koͤ⸗ nigen; das Wegelagern, Rauben und Pluͤndern, fuͤr ruhmvoll gehalten und ſtraflos geuͤbt von dem Adel; die allgemeine Unſicherheit, die durch ſolche Raub⸗ ritter entſtand, welche, gleich Adlern auf ihren Felſen horſtend, rings nach Beute ſpaͤhten; kurz alle Graͤuel des Fauſtrechts! Mag ſich die jugendliche Phantaſſe ergoͤtzen an den Turnieren, an den Feſten in den Burgen der Ritter und den
*) Schiller: die Ritter des Spitals in Jeruſalem.


