ε — 19—
Unter den Kaiſern, welche ihre Macht gegen die weltlichen und geiſtlichen Vaſallen kraͤftig zu behaupten wußten, ſteht Karl d. Gr. oben an. Er gab dem ſchon damals ſich kraͤftig regenden weltlichen Lehnsadel an dem geiſtlichen Stande, den er zu einem Reichsſtande machte, ein kraͤftiges Gegengewicht, und ſetzte zu Aufſehern uͤber Beide ſeine Commiſſarien, die ſogenannten Sendgrafen. Er hielt den Grundſatz aufrecht: Die Kirche lehrt, der Kaiſer mehrt und wehrtz er ehrte das wohlbegruͤndete Anſehen des heiligen Stuhles, wiewohl nicht mit blindem Gehorſam. Die roͤmiſche Kaiſerkrone trug er mit der Wuͤrde eines roͤmiſchen Imperators, und wiewohl der Umſtand, daß ſie ihm der Papſt auf⸗ geſetzt hatte, in der Folge die Meinung begruͤndete, als ſei die weltliche Herr— ſchaft des roͤmiſchen Reichs ein Ausfluß der geiſtlichen, ſo wußte doch Karl durch ſeine Perſoͤnlichkeit den Folgen dieſer oͤffentlichen Meinung vorzubeugen.
Es war ein Ungluͤck fuͤr das deutſche Reich, daß die Nachfolger Karls des Gr. zu viel Werth legten auf den leeren Titel eines roͤmiſchen Kaiſers. Der Erfolg ihres Strebens war der Opfer nicht werth, die ſie fuͤr dieſen Zweck verwendeten, und Italien wurde das weite Grab deutſchen Ruhmes und deut— ſchen Gluͤckes. Die Kaiſer, die uͤber dieſe Titelſucht erhaben waren und nicht nach Italien verlangten, leiſteten ungleich mehr fuͤr Deutſchlands Ruhm und fuͤr das Gluͤck der von ihnen regierten Voͤlker.
Als roͤmiſche Kaiſer behaupteten ihre Wuͤrde am Kraͤftigſten Otto I., Kon⸗ rad II., Heinrich III. und die beiden Friedriche von Hohenſtaufen, wiewohl die beiden Letzteren in ihren Kaͤmpfen mit der geiſtlichen Gewalt nicht ſo vom Gluͤcke beguͤnſtigt wurden, als die drei Erſtern. Das kaiſerliche Anſehen litt am Meiſten durch Heinrich II., den die Moͤnche den Heiligen nannten, und durch den charakterloſen und ungluͤcklichen Heinrich IV. Unter den Kaiſern, welche die roͤmiſche Kroͤnung nicht hoch anſchlugen und Deutſchlands Wohlthaͤter wurden, ſtehen oben an Heinrich l. und Rudolf von Habsburg. Heinrich I. verdiente


