Aufsatz 
Über des Mittelalters Licht- und Schattenseite, mit besonderer Hinsicht auf die deutsche Geschichte
Entstehung
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Gegen den Benediktiner-Orden erſcheinen die Bettelmoͤnche als ſchaͤdliche Wächerpflanzen; ſie waren die Verbreiter des Aberglaubens, die Stuͤtze, der Unwiſſenheit, die Feinde der Denk⸗ und Glaubensfreiheit, die immer ſchlagfer⸗ tige Miliz der geiſtlichen Machthaber gegen die koͤnigliche Gewalt.

Die unnatuͤrlichen Geluͤbde und der eiſerne Gehorſam erſtickten in den meiſten Moͤuchen die Gefuͤhle der Menſchlichkeit. Die Grauſamkeit der Strafen gegen die Uebertreter ſolcher Geluͤbde iſt ſchaudererregend. Das ſanſtklingende Wort: Geh' im Frieden!(vade in pace) zum Verbrecher geſprochen, fuͤhrte denſelben zur unterirdiſchen Gruft, wo er lebendig eingemauert dem Tode ge weiht oder kuͤmmerlich bei Waſſer und Brod genaͤhrt wurde.

Unter den Bettelorden waren die Dominikaner und Franziskaner die ge⸗ ſchworenen, immer zum Kreuzzuge bereiten Feinde der Denk- und Gewiſſens freiheit; durch Inquiſition und Glaubensgerichte ſammelten ſie ſich ihre blutigen Trophaͤen. Den freien Geiſt wollten ſie unterdruͤcken, aber vergebens war ihr Streben; kein Schwert, kein Scheiterhaufen konnte den Fortſchritt des Geiſtes verhindern; auf kurze Zeit gehemmt, brach er mit erneuter Kraft ſich Bahn und ſpottete der Zauberformeln, der Bannfluͤche und der eiſernen Waffen. Die Kloͤſter ſanken, als Ueppigkeit und Schwelgerei die Armuth und Enthaltſamkeit aus ihnen verdraͤngte, als das Laſter dieſe urſpruͤngliche Staͤtte der Keuſchheit entweihte, als die Welt in Kuͤnſten und Wiſſenſchaften fortſchritt, als die Fackel der Vernunft die Kerker der Finſterniß erhellte und die Verbrechen der Nacht offenbarte.

Dem duͤſteren Moͤnchthum ſteht entgegen das heitere Ritterthum. Wir wenden uns zu ihm, da jetzt von dem Feudalweſen die Rede ſeyn ſoll.

II. Bei der Betrachtung der weltlichen Seite des Mittelalters erregen das Koͤnig⸗ und Kaiſerthum mit dem Vaſallenweſen, das Ritterthum mit ſeinen