— 15—
Das Chriſtenthum gab dem menſchlichen Gemuͤthe eine Richtung auf das Ueberſinnliche und Unendliche. Menſchen, deren Geiſt vorzuͤglich zur Selbſtbe⸗ ſchauung, zur Abſonderung und zur Traͤgheit geneigt war, wie man ſie haͤufig bei den Morgenlaͤndern und unter den Egyptern antrifft, fanden in dieſer Rich⸗ tung des Chriſtenthums einen Antrieb mehr, die Verachtung und Ertoͤdtung der Sinnlichkeit fuͤr etwas ſehr Verdienſtliches zu halten. Das Beiſpiel der Eſſaͤer, Therapeuten und anderer Sonderlinge fand Nachahmung. Der Geiſt des Ein⸗ fiedlerlebens, der Eheloſigkeit, des Faſtens, Buͤßens, Betens wurde herrſchend. In Egypten, wo in den Sandwuͤſten die Stille des Todes herrſcht und den Geiſt zu ſchwermuͤthigen Betrachtungen ſtimmt, wucherte das Moͤnchthum am ſtaͤrkſten. Bald(gegen 341 nach Chr.) wurde Europa von dieſer Schwaͤrmerei angeſteckt. Der erſte geregelte Moͤnchsorden aber wurde von Benedikt von Nur⸗ ſia um 520 n. Chr. geſtiftet. Die Einſiedeleien und Kloͤſter, durch den Miß⸗ verſtand der Lehre des Heilands entſtanden und gegruͤndet, wurden durch die Macht des Beiſpiels vermehrt, und der fromme Wahn ließ ſie nicht ausſterben; denn der Weg in's Kloſter wurde fuͤr den Weg zum Himmelreiche gehalten; mit der Entſagung irdiſcher Freuden glaubte man ſich die ewige Wonne des Paradieſes zu erkaufen. Das Gute, welches die Moͤnche zu ihrer Zeit ſtifteten, kommt meiſtens auf Rechnung der Benediktiner, wie ſchon oben angedeutet worden. Sie lichteten die finſteren Waͤlder, rodeten wuͤſtes Land an, trockne⸗ ten Suͤmpfe aus, beſtellten die Felder, pflanzten Reben, uͤbten und vervollkomm⸗ neten phyſikaliſche und mechaniſche Wiſſenſchaften, ſchrieben die Werke der alten Klaſſiker ab, und waren dadurch Retter und Befoͤrderer der Kultur des menſch⸗ lichen Geiſtes. Außer den Benediktinern verdienen noch einer ehrenvollen Er⸗ waͤhnung jene ſpaͤteren Orden, deren Hauptgeſchaͤft die Pflege der Kranken iſt, die der Sorge fuͤr die leidende Menſchheit ihr Leben opfern, wie der Orden
der barmherzigen Bruͤder.


