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Wohl zeigte ſich ein Schein der Art in den Zeiten der Kreuzzuͤge gegen die Unglaͤubigen, wiewohl auch hier, ſobald die fromme Begeiſterung oder der Fa⸗ natismus ſich abgekuͤhlt hatte, von chriſtlicher Eintracht wenig zu finden war. Und gar im Innern der europaͤiſchen Staaten ſelbſt und gegen einander beſtand im Mittelalter weniger Friede, als jemals. Nur darin war Uebereinſtimmung, daß alle europaͤiſche Nationen vor Einem Kreuze knieten, was die neuere myſti⸗ ſche Schule hoch anſchlaͤgt; und auch darin, daß Alle eine geiſtliche Oberherr⸗ ſchaft anerkannten, und zwar der groͤßte Theil von Europa die Oberherrlichkeit des roͤmiſchen Papſtes. Schlau wußten die roͤm. Paͤpſte die Kreuzzuͤge zu be⸗ nutzen, um ihre Macht auf den hoͤchſten Gipfel zu erheben. Aber die Anerken⸗ nung der geiſtlichen Oberherrſchaft uͤber oder neben der weltlichen war eine Quelle vieler Verwirrungen und langer Kaͤmpfe zwiſchen beiden Gewalten, wo⸗ durch Europa erſchuͤttert, und manche Ausſaat zur Wohlfahrt der Voͤlker wieder zerſtoͤrt wurde.
5)»Alle roͤmiſch⸗katholiſche Laͤnder, ruͤhmt man ferner, waren durch Ein Band vereinigt, durch die lateiniſche Sprache, welche bei dem Gottesdienſte herr⸗ ſchend wurde.«— Aber dagegen wurden die Mutterſprachen der Voͤlker vernach⸗ laͤſſigt; die Nationen blieben laͤnger in Unwiſſenheit und Rohheit; das Volk, das kein Latein verſtand, verlor ſeinen Antheil an oͤffentlichen Verhandlungen. Nicht den Nationen, ſondern nur der Geiſtlichkeit brachte jenes Verbindungsmit⸗ tel Nutzen. Durch die lateiniſche Sprache wurden die Reſte der Nationaldenk⸗ maͤhler verdraͤngt; vaterlaͤndiſche Geſetze und eigenthuͤmliche, dem Geiſte der germaniſchen Voͤlker mehr entſprechende Verfaſſungen wurden durch fremdes Recht unmoͤglich gemacht, oder doch erſchwert.
6)»Da die Hierarchie ihre Staͤrke im Moͤnchthum hatte, ſo wird dieſes von ihren alten und neuen Anhaͤngern vorzuͤglich geprieſen, und verlangt in dieſer Hinſicht eine beſondere Beruͤckſichtigung.⸗


