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Scheu vor dem, was als heilig galt, ſchuͤtzte auch Kirchen und Kliſter im Dun⸗ kel der Waͤlder und an andern einſamen Orten.
2)»Durch die Hierarchie, fahren ihre Lobredner fort, wurde die ſo unfried⸗ liche, ſo fehdeluſtige Welt befriedigt. Die Hierarchie war eine ſtarke Gegen⸗ macht gegen den weltlichen Despotismus; ſie half dem niedern Stande auf, und erleichterte die Noth der Gedruͤckten.⸗— Daran iſt viel Wahres. Der Bann⸗ ſtrahl vom Vatikan ſchreckte mehr, als des Kaiſers Drohung, und oft gehorchte man eher, wenn der Papſt Ruhe gebot, als auf des Kaiſers Machtwort. Der Streit der Fuͤrſten wurde oft durch den Papſt geſchlichtet. Nach Rom wand— ten ſich bedraͤngte Voͤlker, Huͤlfe ſuchend gegen ihre Unterdruͤcker. Das Loos der Leibeigenen wurde zuerſt von der Kirche erleichtert. So wahr dieſes Alles iſt, ſo bedenke man aber auch auf der andern Seite, wie oft weltliche Gewalt— haber an dem roͤmiſchen Stuhle einen Helfer fanden, wenn es darauf ankam, Geiſtesfreiheit zu unterdruͤcken, wie ſogar die Fuͤrſten durch die hoͤhere Geiſt— lichkeit aufgefordert wurden, der Kirche den weltlichen Arm gegen die Ketzer zu leihen(wozu wir z. B. in der Geſchichte der Waldenſer, in dem Gerichte uͤber Johann Huß zu Koſtnitz ꝛc., die Belege finden). Man bedenke ferner, wie oft der Papſt die Voͤlker ihrem Schickſal uͤberließ, wenn er es ſeinem Intereſſe nicht angemeſſen, oder gefaͤhrlich fand, oͤffentlich einzuſchreiten, wie es ſich z. B. bei dem Streite der Sachſen mit Heinrich IV. in dem oft zweideutigen Benehmen Gregors zeigt, welcher erſt das Gluͤck der Schlachten abwartete, bis er ſich fuͤr Rudolf von Schwaben entſchieden erklaͤrte.
Eigentlich konnte bei dem Freiheitsſinne und der daraus entſpringenden Ver⸗ faſſung germaniſcher Voͤlker die Macht weltlicher Fuͤrſten nicht ſo leicht ausarten. Wo dieß aber geſchah, da waren nicht ſelten die Geiſtlichen den Weltlichen als Muſter voran gegangen, oder dieſe bedienten ſich jener als Rathgeber. Es iſt


