— 14—
zum Frieden und zur Civiliſation, ſelbſt wider den Willen mancher Hierarchen, beitrug. Auch laͤßt ſich zum Lobe der Kirche im Mittelalter Eins anfuͤhren, was viele Nachtheile aufwog: daß ſie durch den Grundſatz der gleichen An ſpruͤche Aller auf die Kirchenaͤmter dem Kaſtengeiſte entgegenwirkte, und dem Ta⸗ lente den Weg zu den hoͤchſten geiſtlichen Stellen bahnte. Da aber die uͤbri⸗ gen Vortheile, welche die Hierarchie gewaͤhrte, von ihren Vertheidigern oft uͤber⸗ maͤßig erhoben werden: ſo wird es hier nicht uͤberfluͤſſig ſeyn, dieſelben genauer zu erwaͤgen, und auch die Nachtheile nicht zu verſchweigen).
1)»In den Zeiten der Unſicherheit, ſagen die Lobredner der Hierarchie, wa⸗ ren Kirchen und Kloͤſter die Freiſtaͤtten der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, des ſtillen Fleißes und Handels, des Ackerbaus und der Gewerbe.«
Allerdings ein großes Verdienſt! Was Kaiſer und Koͤnige in den ſtuͤrmi⸗ ſchen, fehdevollen Zeiten nicht gewaͤhren konnten, das leiſteten Kloͤſter und Tem— pel. Ohne die Moͤnche waͤre manche Strecke Landes oͤde geblieben, haͤtte man⸗ cher Kuͤnſtler keinen Schutz, keinen Lohn gefunden, waͤren die Geiſteswerke der Griechen und Roͤmer, die uns aus der Fluth der Barbarei noch uͤbrig ſind, nicht gerettet worden. Aber viele dieſer Wohlthaten haͤtten auch ohne Hierarchie, ohne die geiſtliche Oberherrſchaft im Sinne eines Gregor VII. oder Innocenz III. Statt finden koͤnnen und fanden wirklich in andern Laͤndern ohne dieſelbe Statt; die Befoͤrderung der Geiſteskultur lag eigentlich nicht im Zwecke der Hierarchie; fuͤr dieſe waren ſogar die dem Staate gefaͤhrlichen und ſchaͤdlichen, fuͤr Kuͤnſte und Wiſſenſchaften unnuͤtzen oder ihnen entgegenwirlenden Bettel⸗ moͤnche ein beſſeres Werkzeug zur Erreichung ihrer Zwecke, als der nuͤtzliche, verdienſtvolle Benediktinerorden. Dieſelbe Urſache, welche der Gruͤndung der Hierarchie ſo guͤnſtig war, die fromme, den germaniſchen Voͤlkern inwohnende
*) Vergl. Herder's Ideen zur Philoſ. d. Geſch. d, Menſchheit, und Robertſon⸗s Einl. in die Geſchichte Karls V.


