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alters, auf ihre Grundſaͤtze uͤnd ihre Thaten hinſehen. Zwei Gewaltige ſtehen als Gruͤnder und Vermehrer der paͤpſtlichen Herrſchaft oben an: Gregor VII. und Innocenz III.; der Erſtere an Geiſt und Kraft fuͤr die Kirche das, was Karl d. Gr. fuͤr die weltliche Monarchie; Innocenz III. der Groͤßte unter Gregors Nachfolgern. Dieſen ſchließt ſich ein Dritter an, Beiden in Grundſaͤtzen und an Kuͤhnheit gleich, aber nicht ſo vom Gluͤcke beguͤnſtigt, Bo— nifacius VIII.
Dieſe drei handelten nach dem Grundſatze: Es iſt dem goͤttlichen Geſetze und der Vernunft angemeſſen, daß der Gebildete uͤber den U ngebildeten, der Geiſt uͤber die koͤrperliche Maſſe herrſche. Den Geiſt fanden ſie in der Kirche, den Koͤrper im Staate.»Die Kirche ſoll unabhaͤngig »ſeyn vom Staate,« war Gregors erſter Satz;»die Kirche ſoll durch »ihr ſichtbares Oberhaupt, den Papſt, herrſchen uͤber den Staat,« war ſein zweiter Satz. Dieſe Grundſaͤtze durchzufuͤhren, daran ſetzte er ſein ganzes Leben. Schwerlich finden wir einen Mann, der mit groͤßerer Klugheit ſeinen Plan entwarf, und mit unerſchuͤtterlicherem Muthe bis zum letzten Lebenshauche ihn ausfuͤhrte, als dieſen Gregor. Haͤtte er ſich, wie er aͤußerte und wuͤnſchte, an die Spitze eines Kreuzheeres ſtellen koͤnnen, ſo waͤre die Oberherrſchaft uͤber ganz Europa ihm ſchwerlich entgangen. In demſelben Geiſte handelte Inno⸗ cenz III., beſonnen und ſtaatsklug, unermuͤdlich thaͤtig, ſtreng und gebieteriſch, wo er ſeines Sieges gewiß zu ſeyn glaubte; nachgiebig nur da, wo er einen gleich ſtandhaften Gegner vor ſich fand.»Gott, ſprach er, hat den Nachfolger »des h. Petrus eingeſetzt, nicht bloß um die Kirche, ſondern auch um den »Staat zu regieren. Wie Gott zwei Lichter am Firmamente geſchaffen: eines, »das den Tag regiere, das andere, das die Nacht erleuchte; ſo hat er auch »zwei Gewalten eingeſetzt, die paͤpſtliche und die koͤnigliche. Wie der »Mond ſein Licht von der Sonne erhaͤlt, ſo iſt die weltliche Gewalt ein Aus⸗ „fluß der geiſtlichen.«


