Aufsatz 
Über Unterricht und Erziehung an öffentlichen Bildungsanstalten, besonders Pädagogien und Gymnasien, nach den Forderungen unserer vernünftigen Natur und den Bedürfnissen unseres Zeitalters
Entstehung
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loren ging. Wie viel wohltoͤnender lautet die allemanniſche Mundart(z. B. in Hebels allemanniſchen Liedern) und die ſchwaͤbiſche der Minneſänger! Wie wuͤnſchenswerth waͤre es, daß die ſchwaͤbiſche Mundart, welche von der Mitte des 12ten bis zur Mitte des 16ten Jahrhunderts die Schriftſprache war, in letz⸗ terer Hinſicht nicht ganz von der oberſaͤchſiſchen verdraͤngt worden waͤre!*) Jetzt, wo ſich dieſes nicht mehr aͤndern laͤßt, ſollte man das Beſtehende, ſo viel als moͤglich, verbeſſern und feilen, die uͤberfluͤſſigen Mitlauter ausſcheiden, das Rauhe durch eingeſchobene Selbſtlauter mildern, den Sprachſchatz durch das Neue und Milde, das ſich in andern Mundarten findet, bereichern. Klopſtock, Wolke, J. Paul, Radlof und Andere haben gute Vorſchlaͤge der Art gemacht.*) Der Sprachforſcher hat hier ein weites Feld vor ſich, und die Lehrer der Mut⸗ terſprache an oͤffentlichen Anſtalten ſollten darauf ihr beſonderes Augenmerk richten, und das Schoͤne, wenn auch Abweichende, der gefeiertſten deutſchen Klaſ⸗ ſiker zu erhalten und fortzupflanzen ſuchen. Manches Gute kann aus dem Alten wieder zuruckgerufen werden und in Umlauf kommen.*) Selbſt die Sorgfalt, die wir auf die alten Sprachen verwenden, ſoll der Mutterſprache zu Gute kom⸗ men. Unſer durch das Studium der griechiſchen und roͤmiſchen Literatur geſchaͤrf⸗ ter Sinn wird nicht ohne bildenden Einfluß auf unſere eigene Sprache bleiben, wir werden uns dann um ſo mehr bemuͤhen, der Mutterſprache zu ihrer Kraft auch noch die andern Vorzuͤge zu verſchaffen, welche wir an den gebildeten Spra⸗ chen des Alterthums bewundern. Selbſt das, was uns an den alten Rede⸗

*) Vergl. Wielands Abhandlung uͤber die Frage: Was iſt Hochdeutſch. 1782. **) Viele Verdienſte um die Grammatik der Mutterſprache erwirbt ſich in unſerm Vaterlande Schmitthenner, Prorector in Dillenburg. Moͤchten nur die Grammatiker mehr den ſokratiſchen Rath befolgen:«den Grazien zu opfern. ***) Multa renascentur, quae jam cecidere, cadentque

Quae uunc sunt in honore, vocabula, ai volet usus. Honde.