Aufsatz 
Über Unterricht und Erziehung an öffentlichen Bildungsanstalten, besonders Pädagogien und Gymnasien, nach den Forderungen unserer vernünftigen Natur und den Bedürfnissen unseres Zeitalters
Entstehung
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Der Unterricht an unſern oͤffentlichen Anſtalten, an den Paͤdagogien und Gymnaſien, bezieht ſich auf Sprachen, Wiſſenſchaften und Kuͤnſte.

A.

Von den Sprachen werden außer der Mutterſprache hauptſaͤchlich die fran⸗ zoͤſiſche, die lateiniſche und die griechiſche gelehrt.

Zuerſt von den alten Sprachen. Die Griechen und Roͤmer, vorzuͤglich aber die Erſteren, haben uns ſo reiche Schaͤtze uͤber Kunſt und Wiſſenſchaft hin⸗ terlaſſen, daß wohl kein Gebildeter den Genuß, welchen die klaſſiſchen Werke ge⸗ waͤhren, entbehren moͤchte. Von Griechenland ging die Bildung aus uͤber Eu⸗ ropa; von keinem Volke ſind noch die Griechen an Geiſt und Phantaſie uͤbertrof⸗ fen worden; ſie ſind uns noch immer Vorbilder in aller Kunſt und Wiſſenſchaft.

Wen ſollte nicht die Wißbegierde, wen nicht die Dankbarkeit hinziehen zu jenen Quellen, aus welchen ſo viel Großes, ſo viel Schoͤnes floß? Wer fuͤhlt ſich nicht ſchon durch den Wohllaut der Sprache ergriffen? Die Roͤmer waren zwar in den meiſten Faͤchern nur Nachahmer der Griechen; aber auch ſie haben beſon⸗ ders in der Geſchichtſchreibung, Dichtkunſt, Beredtſamkeit und EPſetzgebung Meiſterwerke aufzuweiſen; ihre Sprache iſt volltoͤnend und voll Wuͤrde, und wir koͤnnen ſie bei dem jetzigen Zuſtande der Wiſſenſchaften nicht entbehren. Auch er⸗ leichtert ſie uns das Studium der neuern europaͤiſchen Sprachen, die aus ihr ent⸗ ſprungen ſind. 1

Wem, der die Gruͤndlichkeit liebt, und der die Bildung der Humanitaͤt ſich zur Aufgabe ſetzt, ſollte es nicht der Muͤhe werth ſcheinen, die Werke der Alten zu ſtudiren, und wer ſollte, um in ihren Geiſt einzudringen, die Arbeit ſcheuen, welche die Huͤlle verurſacht? Denn ſo viel bleibt ausgemacht: die Geiſtesblitze und die ſinnvollen Andeutungen, die zarten Naturtoͤne und die innigſten Gefuͤhle,