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Die Philanthropen leiſteten fuͤr die Volksſchulen viel, fuͤr die Gelehrten⸗ Schulen weniger, als ſie angekuͤndigt hatten. Viele von ihnen ſchaͤtzten die klaſſiſche Bildung zu gering; ſie vergaßen, was wir den Alten, beſonders den Griechen, verdanken; die Liebe zu den Realien brachte hin und wieder Seichtig⸗ keit im Unterrichte hervor. Dieſer ſchiefen Richtung wirkten die Humaniſten entgegen, beſonders die gemaͤßigten, welche die Uebertreibungen der Pedanten aus ihrer Schule einſahen und beſtritten, dabei aber auch den Philanthropen zeigten, wie bildend es ſey, mit dem Geiſte der alten Klaſſiker, d. h. mit den Ideen des Wahren, Schoͤnen und Guten, die in ihnen dargeſtellt ſind, die Ju⸗ gend vertraut zu machen.
Gegen das Ende des 18ten Jahrhunderts, wo es in der politiſchen Welt außerordentlich gaͤhrte, trat auch in der paͤdagogiſchen ein Mann mit Kraft⸗ gefuͤhl auf, welcher behauptete, man ſey bisher in Ruͤckſicht der Erziehung und des Unterrichts im Irrthum befangen geweſen, und habe in allen Schulen die rechte Methode nicht gehabt, deren Hauptidee er durch naturgemaͤße Entwickelung der geiſtigen Anlage und Kraft bezeichnete. Dieſer Mann war Heinrich Peſtalozzi; ein Name, der bei aller Abgoͤtterei, die man mit ihm getrieben, an große Verdienſte erinnert, und einen Wohlthaͤter der Kinderwelt, beſonders einen Vater der armen Kinder, bezeichnet.“) Nuͤchterne Maͤnner meinten zwar(und mit Recht), was Peſtalozzi wolle und verkuͤnde, habe man bisher auch gewollt und ausgeſprochen, nur mit an⸗ dern Worten; Vieles erſchien ihnen als Spielerei, was man als Neues und Wichtiges ausrief; aber ihre Gegenrede verhallte bei dem Geſchrei der Juͤn⸗ ger, welche ſich ihres paͤdagogiſchen Meiſters nach Kraͤften annahmen. Selbſt Philoſophen, wie Fichte, erfuͤllten ſich mit ſanguiniſchen Hoffnungen, und
*) Von dieſer Seite iſt Peſtalozzi dargeſtellt in dem Liede: Auf P. 79ten Ge⸗ burtstag, gefeiert von mehreren Schulmaͤnnern und Freunden der Erziehung.
Wiesbaden, den 12 Januar 1823,


