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die lateiniſche und von den Wiſſenſchaften die Geſchichte und Naturkunde. Mehr als durch Schriften iſt Franke durch ſeine Stiftungen ein Wohlthäͤter der Menſchheit geworden.
In der frankiſchen Schule nahm jedoch, ungeachtet des gruͤndlichen Stu⸗ diums der roͤmiſchen Sprache und Literatur, bald der Pietismus uͤberhand; und es wuchs die Zahl der Schwaͤrmer, welche die klaſſiſche Gelehrſamkeit verach⸗ teten, weil ſie von den Heiden Gefahr fuͤr die chriſtliche Froͤmmigkeit fuͤrch⸗ teten. Dieſer falſchen Anſicht traten die Humaniſten entgegen. Ihnen waren die Schriften der griechiſchen und lateiniſchen Klaſſiker die Quellen al⸗ ler Gelehrſamkeit. Den alten Sprachen ſetzten ſie die Realien nach; nur jene gehoͤrten ihrer Meinung nach auf die Schulen, die Wiſſenſchaften aber fuͤr das reifere Alter auf die Univerſitaͤten.
Unter den Humaniſten waren nicht lauter Maͤnner wie Gesner, J. A. Erneſti und Heyne; es gab viele Pedanten, die fuͤr nichts als fuͤr das Wortklauben und Sylbenſtechen in den alten Klaſſikern Sinn hatten, denen der Buchſtabe mehr galt, als der Gedanke; die Schluͤſſel zur Weisheit mehr, als die Weisheit ſelbſt, und die uͤber den Griechen und Roͤmern das eigene Denken verlernten. Dieſem Unweſen ſetzten ſich die Philanthropen entgegen, an ihrer Spitze Baſedow,(geb. 1723 † 1790.) Mit Rouſ⸗ ſeaus Grundſaͤtzen vertraut und ſie enthuſiastiſch verehrend, bekaͤmpfte er das Moͤnchthum der Philologen. Menſchen, Weltbuͤrger wollte er bilden, nicht Sprachforſcher und Stubengelehrte. Humanitaͤt war ſein Ziel, dazu ſollte der Zoͤgling durch eine humane Erziehung hingefuͤhrt werden. Wiſſen⸗ ſchaften waren ihm die Hauptſache des Unterrichts, vorzuͤglich Kenntniß der Natur. Abhaͤrtung und Gymnaſtik empfahl er zur Staͤrkung des Koͤrpers und zur Gewandtheit. Die Idee der Sittlichkeit war ihm der Polarſtern, den man im Gebiete der klaſſiſchen Literatur nie aus den Augen verlieren ſollte..


