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erwarteten von der neuen Schule die Wiedergeburt der deutſchen Nation und das Rettungsmittel des kuͤnftigen Geſchlechtes. Jetzt, wo man ruhiger ur⸗ theilt, wird der pruͤfende Beobachter zwar nicht laͤugnen, daß in dem, was die Anſchauung der Maß⸗ und Zahlverhaͤltniſſe betrifft, Tuͤchtiges von der peſtalozziſchen Schule geleiſtet worden, aber es wird ihm auch nicht entgehen, daß Vieles nur Maſchinerie iſt, wobei der Geiſt nichts gewinnt, und daß außer dem mathematiſchen Gebiete die Erwartungen nicht ſonderlich befriedigt werden.
Peſtalozzi ſelbſt geſteht in ſeiner neueſten Schrift“), die ganz ſein edles Gemuͤth enthuͤllt, aber auch etwas von der Schwaͤche des Alters zeugt: er ſey uͤber ſein Streben in ſich ſelbſt nicht ganz klar geweſen, er beſitze gaͤnzliche Regierungsunfaͤhigkeit, und es bleibe ihm nichts als die Liebe, wodurch er auf die Zoͤglinge einwirken koͤnne.
In der neueſten Zeit machte die bell⸗lancaſter'ſche Methode fuͤr den oͤf⸗ fentlichen Unterricht Epoche.
Die Hauptidee derſelben iſt der Unterricht der Schuͤler durch Schuͤler oder der gegenſeitige Unterricht.**) Fuͤr große Maſſen iſt dieſe Methode be⸗ rechnet. Die Lobpreiſungen von den Wundern, die ſie wirken ſoll, kommen aus Laͤndern, wo bisher fuͤr den Volksunterricht bei Weitem nicht ſo viel geſchehen iſt, als in unſerm Deutſchlande.“**) Dort wirkt die bell⸗lancaſter'ſche Me⸗
*) Meine Lebensſchickſale als Vorſteher der Anſtalten zu Burgdorf und Ifferten von Heinr. Peſtalozzi 1825. **) Der gegenſeitige unterrichtec. o. Joſeph Hamel. Paris 18138.
***) Dr. Pole berechnete die Zahl der Erwachſenen, die nicht leſen konnten, in England allein noch im Jahr 1814 aaf 1,200,000. Der Verfaſſer des Werkes: Von der Nothwendigkeit, die bell⸗lancaſter'ſche Lehrart in Toscana einzufuͤhren(Piſtoja 1818), ſchäͤtzt die Zahl ver Menſchen, die in Toscana(dem civiliſirteſten Lande in Italien!) weder leſen, noch ſchreiben, noch rechnen koͤn⸗ nen, auf 750,000. In Frankreich bedarf das Volksfchulweſen, welches haupt⸗


