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Durch eine ſchoͤne Sprache und durch den Wohllaut der Verſe zeichnet ſich Horaz beſonders in ſeinen Oden aus. Man verſuche einmahl die ſchoͤne Stelle: Justum et tenacem u. ſ. w. bis ferient ruinae(L. III. Od. 3.) oder Regum timendorum u. ſ. w. bis moventis(L. III. Od 1.) und aͤhnliche Stel⸗ len in eine neuere Sprache mit eben der Kraft und dem Wohllaut und zu⸗ gleich in dieſem Sylbenmaße wiederzugeben. Hier ſcheitert die Kunſt der beſten Ueberſetzer, eines Ramler, eines Voß, eines Wieland.
Unter den Geſchichtſchreibern iſt die Geſchichte des Livius vorzuͤglich auf eine angenehme Lectuͤre berechnet; uͤberall iſt die Harmonie des Aus⸗ drucks mit dem Inhalte ſichtbar, und aus der Glaͤtte, die uͤber das Ganze verbreitet iſt, zeigt ſich der feinſte Geſchmack, ſowie der unermuͤdlichſte Fleiß. Man leſe nur die Schilderung des Kampfes der Horatier und Cu⸗ riatier und aͤhnliche Darſtellungen. Bei Julius Caͤſar findet ſich eine vollkommene Gleichmaͤßigkeit des Ausdrucks, Ruhe, Klarheit und Natuͤr⸗ lichkeit der Darſtellung. Er zeigt ſich in der Schreibart, wie er im Han⸗ deln war, ganz nur auf Einen Zweck gerichtet, und Alles dieſem Zwecke an⸗ gemeſſen.
Durch muſterhafte Einfachheit ſpricht uns Cornelius Nepos an. Aber als Muſter der lateiniſchen Schreibart, vorzuͤglich in Reden, glaͤnzt Cicero, Roms groͤßter Redner. Wenn Demoſthenes durch den Don⸗ ner ſeiner Vortraͤge die Gemuͤther erſchuͤttert, ſie ſpornt und zuͤgelt; ſo herrſcht in Cicero's Beredſamkeit Licht und philoſophiſche Klarheit, Kraft und Feinheit, Rundung und Wohllaut. Man leſe nur ſeine Rede fuͤr den Vorſchlag des Manilius. Dazu kommt noch eine unerſchoͤpfliche Gabe von Witz und Laune, die ihm oft den Sieg uͤber ſeine Gegner verſchafften. Außerordentliche Sorgfalt verwendete Eicero auf ſeine Mutterſprache; er ſuchte ſie von Schlacken zu reinigen, und ſie zu bereichern. Belege dazu


