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im Euripides! Welche attiſche Zierlichkeit im Ariſtophanes! Unter den Geſchichtſchreibern fuͤhrt H erodot den Reihen! Welche joniſche Weich⸗ heit, welcher ſuͤße Laut in der Sprache! Und wie natuͤrlich, ja wie kind⸗ lich iſt nicht Alles erzaͤhlt! Friedrich Schlegel nennt den Herodot mit Recht den Homer der Geſchichte. Bei Fenophon herrſcht ruhige und ungekuͤnſtelte Darſtellung, die aber eben den Eindruck auf uns macht, wie die offene Sprache eines kindlichen Gemuͤthes. Bei Thukydides iſt die hoͤchſte Wuͤrde kunſtreicher Proſe und einer reichgeſchmuͤckten Schreib⸗ art, wiewohl hin und wieder etwas hart und dunkel.
Unter den Philoſophen glaͤnzt Plato als Vorbild auch durch ſeine Sprache. Schoͤner kann ſein Lob in dieſer Hinſicht nicht ausgeſprochen wer— den, als durch das Urtheil feingebildeter Hellenen uͤber ihn: ⸗Wenn Zeus zu den Menſchen reden wollte; ſo wuͤrde er in Plato's Sprache zu ihnen reden.⸗
Unter den Rednern finden wir bei Iſokrates eine kunſtmaͤßige und bis zur hoͤchſten Politur geſteigerte Ausarbeitung. Demoſthenes hat ſich durch Darſtellung und Sprache den Ruhm eines vollkommenen Redners er⸗ worben. Der Donner ſeiner Beredſamkeit erſchuͤtterte die Gemuͤther der Zuhoͤrer, und erſcholl furchtbar ſeinen Feinden.
Unter den Roͤmern ſingt Lucrez in wuͤrdigen Toͤnen von der Na⸗ tur. Meiſterhaft durch Darſtellung, Versbau und Sprache iſt Virgil in ſeinem Lehrgedicht, von der Landwirthſchaft. Einfacher, natuͤrlich⸗ſchoͤner Ausdruck herrſcht in den Gedichten Tibulls; feiner Converſationston bei Terenz. Mit reicher(aber oft auch uͤppiger) Phantaſie und viel Geleh r⸗ ſamkeit verbindet Ovid einen angenehmen Versbau und die Kunſt lieblicher Schilderungen.;


