Aufsatz 
Wie sollen wir die klassischen Werke der Alten studieren? Mit besonderer Hinsicht auf Pädagogik
Entstehung
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oder die Idee von dem bei allen Stuͤrmen, ſelbſt bei dem Einſturze einer Welt unerſchuͤtterlichen Gerechten immer groß und erhaben ſeyn, wenn er auch nicht in dieſem Rhythmus der Sprache, ſondern ganz einfach und ſchmucklos vorgetragen waͤre..

Cicero hat zwar Vieles von den Griechen entlehnt, aber was die Gedanken und die darin ausgeſprochenen Geſinnungen betrifft, werden ihm ſeine Buͤcher von den Pflichten und die uͤbrigen philoſophiſchen Unterſuchun⸗ gen ein bleibendes Denkmahl ſeyn.

Aus Tacitus ſpricht tiefer Haß gegen Despotismus, ſtrenge, nicht ſchonende Wahrheitsliebe, Ernſt und hoher Tugendſinn. Ihn macht weni⸗ ger die Sprache, als die Gedankenfuͤlle, muſterhaft.

Doch man koͤnnte ſagen: Alles, was du in Hinſicht der Schoͤnheit und Erhabenheit der Ideen von den Alten ruͤhmſt, findet ſich auch und vielleicht oft noch vollſtaͤndiger bei den Neueren. Es ſey, aber mit dieſer Schoͤnheit der Gedanken war bei den Alten etwas verbunden, worauf ſie in der Regel ſehr viele Sorgfalt verwendeten, und meiſtens mehr Sorgfalt, als gewoͤhn⸗ lich die Neueren: der Wohlklang der Sprache und die Schoͤnheit der Schreibart. Schon durch ihre Sprache hatten die Alten und vorzuͤglich die Hellenen viel gegen uns voraus. Die griechiſche Sprache war, wie Herder ſagt, durch Muſik und Tanz, durch Geſang und Geſchichte, endlich durch den plauderhaften, freien Umgang vieler Staͤmme und Colonieen wie eine lebendige Form der Natur entſtanden. Keine Sprache kann ſich an Bieg⸗ ſamkeit, an ſanftem Fluſſe, an Staͤrke, Wohllaut und Metrik mit der griechiſchen meſſen. In dem Einen oder dem Andern kommen ihr wohl auch neuere Sprachen gleich, aber alle dieſe Eigenſchaften zuſammen ſind in dieſer Vollkommenheit bei keiner andern. Zur Leichtigkeit, Klarheit und Schönheit der griechiſchen Sprache hat ſich auch die lateiniſche nicht erheben