Aufsatz 
Wie sollen wir die klassischen Werke der Alten studieren? Mit besonderer Hinsicht auf Pädagogik
Entstehung
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det. In Plato eroͤffnet ſich uns eine Gedankenwelt des Erhabenen, des Edeln und Guten, welche durch die Muſik der Sprache noch mehr verherr⸗ licht wird. Aus Plato haben, wie aus einer unerſchoͤpflichen Quelle, die Philoſophen vieler folgenden Jahrhunderte geſchoͤpft. Die Ideen Feno⸗ phon's tragen das Gepraͤge des Sanften und Liebenswuͤrdigen.

Unter den Geſchichtſchreibern erwaͤhne ich vorzuͤglich des Herodot, des Thukydides und des Polybius. Bei dem Erſteren iſt das Ge⸗ muͤthliche vorherrſchend; Natuͤrlichkeit, Sanftheit der Empfindung und vor Allem frommer Glaube ſpricht aus Herodots Erzaͤhlungen. Thukydi⸗ des iſt gedankenſchwer, und gibt in gedraͤngter Kuͤrze eine helle Ueberſicht der Urſachen und Folgen der Begebenheiten und darin viel Stoff zu politi⸗ ſchen Betrachtungen; ſein Charakter iſt ſtrenge Wahrheitsliebe. Das erſte Blatt des Thukydides iſt der Anfang der wahren Geſchichte, ſagt der Engländer Hume. Polybius gibt durch eben ſolche pragmatiſche Be⸗ handlung der Geſchichte eine belehrende Vorbereitung zu Staatsgeſchaͤften. Plutarch ſtellt uns erhabene Muſter aus der griechiſchen und roͤmiſchen Geſchichte zur Bewunderung und zur Nachahmung auf.

Die Roͤmer waren meiſtens Nachahmer der Griechen. Was das In⸗ haltſchwere der Gedanken betrifft; ſo fuͤhre ich hauptſaͤchlich den Horaz, den Cicero in ſeinen philoſophiſchen Aufſaͤtzen und den Tacitus an. In Horaz finden wir einen reichhaltigen Schatz von Lebensweisheit, ge⸗ wuͤrzt durch attiſchen Witz, Begeiſterung fuͤr ſittliche Schoͤnheit und maͤnn⸗ liche Tugend und hohe Vaterlandsliebe. Wer ſollte nicht ergriffen werden von Oden, wie III. 3 Justum et tenacem prepositi virum etc., II. 9. Res- tius vives etc. II. 406. Otium divos rogat etc. III. 1. Odi profanum vul- gus etc. III. 2. Angustam amici etc. Epod. 2. Beatus ille etc. In den zwei erſten Strophen der Ode: Justum et tenacem etc. wuͤrde der Gedanke

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