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welche einfach und gemeinverſtaͤndlich in den Evangelien niedergelegt ſind, traten kraͤftig und belebend in die Welt; ſie laͤuterten die Begriffe des Volkes, und wurden das Eigenthum ganzer Nationen. 1
Was aber das Praktiſch⸗Nuͤtzliche fuͤr das Leben und beſonders fuͤr den Staat betrifft; ſo koͤnnen uns hierin die Alten als Muſter dienen. Sie waren keine ſo große Freunde von Zergliederungen der Be⸗ griffe und von ſpitzfindigen Unterſuchungen, als manche Neuere, welche uns gleichſam das nackte Gerippe der Gedanken ſehen laſſen. Die Alten behan⸗ delten ſelbſt die ſchwerſten und hoͤchſten Gegenſtaͤnde entweder dichteriſch, wie Plato, oder doch praktiſch wie Fenophon, Cicero u. A. Grundſaͤtze der Lebensweisheit finden wir reichlich bei ihren Philoſophen und Dichtern. Fuͤr das Vaterland zu wirken, war ihr Stolz; dafuͤr ſuch⸗ ten ſie die Juͤnglinge anzufeuern. Bei ihnen war die Wiſſenſchaft nicht dem Leben entfremdet; ſie machte mit dem Leben im Staate vertraut. Zur Ehre des Vaterlandes ſchmuͤckten die plaſtiſchen Kuͤnſtler die Maͤrkte und Tempel mit ihren Gebilden; zur Ehre des Vaterlandes ſangen die Dichter, ſprachen die Redner, ſchrieben die Geſchichtſchreiber. Die Alten kannten nicht jene Stubengelehrten, die den Kopf ſo voll Wiſſenſchaft haben, daß ſie gar nicht fuͤr das Leben zu brauchen ſind; nein, ihre Weiſen waren auch Geſchaͤftsmaͤnner, und bekleideten wichtige Stellen im Staate mit Gewandtheit und Klugheit, oder ſuchten im Privatſtande zur Ehre und zum Heile des Vaterlandes zu wirken. Eben jener Perikles, welcher, wie die Athener ſagten, den Blitz und den Donner des Zeus auf ſeiner Zunge trug, war nicht ein muͤßiger Schwaͤtzer, wie viele neuere Redner, ſondern ein erfahrener Staatsmann und Feldherr. Sokrates, der die Philoſophie vom Himmel auf die Erde in die Werkſtaͤtten der Kuͤnſtler und der Handwerker einfuͤhrte, verſtand auch tapfer zu kaͤmpfen bei Potidaͤa, wo


