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und einige ſeiner Geiſtesverwandten unter den Neueren ſind als ſtreng wiſſenſchaftliche Philoſophen dem Plato vorzuziehen. Was iſt es aber, das dieſem Plato den Namen des Goͤttlichen erwarb? Es iſt der eigne Zauber ſeiner Darſtellung erhabener Gegenſtaͤnde, die Meiſterſchaft, womit er ſeinen Stoff behandelt. Doch davon weiter unten.
B. Ich komme nun auf den zweiten Punkt, aus welchem wir die Werke der Alten betrachten koͤnnen— auf das Gute. Mit dieſem Namen ſoll
hier ſowohl das Sittlich⸗Gute, als das Praktiſch⸗Nuͤtzliche bezeichnet werden.
Was die Ideen der Sittenlehre und der Religion betrifft, ſo ſind dieſe in den Schriften der Neueren zwar reiner aufgefaßt und voll⸗ ſtaͤndiger und umfaſſender behandelt; aber nicht immer ſo praktiſch gemacht, nicht ſo klar fuͤr das Leben entwickelt worden, als bei den Alten. Seitdem das Chriſtenthum in die Welt getreten iſt, erhob ſich allerdings der Geiſt zu einer erhabenern und edleren Anſicht uͤber Gott und goͤttliche Dinge, uͤber menſchliche Pflichten und Rechte, uͤber die Wuͤrde der Menſchennatur und ihr Verhaͤltniß zu einer hoͤheren Weltordnung. An die Stelle der oft zu beſchraͤnkten National⸗Ideen trat ein Weltbuͤrger⸗-Sinn. Wenn die heidniſchen Begriffe einen großen Theil der Menſchen zur ewigen Knecht⸗ ſchaft verdammten; ſo ſprengten die chriſtlichen Ideen dieſe Bande, indem ſie in jedem Menſchen den Bruder erkennen lehrten, und die ganze Menſch⸗ heit als eine Familie Gottes betrachteten. Allerdings werden auch in den Schriften der Alten erhabene ſittliche Grundſaͤtze aufgeſtellt, wie z. B. auch der goͤttliche Plato groß und ſchoͤn von goͤttlichen Dingen ſpricht; aber dieſe Anſichten wurden doch wenig das Eigenthum des Volkes; ſie blieben vielmehr das Eigenthum einer Schule. Die moraliſchen Grundſaͤtze aber,


