Aufsatz 
Wie sollen wir die klassischen Werke der Alten studieren? Mit besonderer Hinsicht auf Pädagogik
Entstehung
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6 dehnen. Ich brauche nur hinzuweiſen auf die Naturwiſſenſchaften, anf Schiffahrt und Handel, auf die mechaniſchen Kuͤnſte u. ſ. w., um den Fort⸗ gang des menſchlichen Geiſtes, beſonders ſeit der Erſindung der Buchdrucker⸗ kunſt, nachzuweiſen. Die Namen Guttenberg, Keppler, Newton,

Leibnitz, Franklin, Herſchel u. A. erinnern an die ewig regſame Erfindungskraft des Menſchengeiſtes.

Was die Vernunftwiſſenſchaften Philoſophie und Mathematik betrifft: ſo liegt es ſchon in der Vernunft ſelbſt, daß hier kein Stillſtand, ſondern fortgehende Entwickelung Statt ſindet. Ich erinnere bei der Matheſis be⸗ ſonders an die Anwendung derſelben auf die Gewerbe des buͤrgerlichen Lebens und auf die erhabenſten aller Beobachtungen im Raume, die aſtro⸗ nomiſchen; und bei der Philoſophie an die praktiſche Seite, beſonders an die durch die Vernunft allmaͤhlig herbeigefuͤhrte rechtliche Verfaſſung der Staaten; und man wird mir zugeben, daß wir darin den Alten nicht nach⸗ ſtehen, ſondern vielmehr Vieles vor ihnen voraus haben.

Nicht alſo die ſtrenge Wiſſenſchaft kann es ſeyn, welche den Werken der Alt en Vorzug vor den Neueren gibt. Nicht ſowohl die Wahrheiten ſelbſt, die ſie vortragen, ſondern vielmehr die treue Beobachtung der Natur, welche ſie auf dieſe Wahrheiten fuͤhrte; der eigne Reiz des lichthellen Vortrags, die natuͤrliche Art der Einklei⸗ dung, der Verbindung und Anwendung dieſer Wahrheiten erweckt un⸗ ſer lebhaftes Intereſſe oft mehr, als es dieſelben Wahrheiten in den Schrif⸗ ten neuerer Philoſophen erwecken. Wir koͤnnen dem Denker Ariſtoteles mehrere philoſophiſche Koͤpfe der neueren Zeit zur Seite ſtellen. Wenn neuere Philoſophen, wie Kant, Fichte, Schelling jenem an Scharf⸗ und Tiefſinn gleich kommen; ſo uͤbertrifft ihn doch keiner an getreuer Beobachtung und Auffaſſung der Natur. Ariſtoteles unter den Alten