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den Trieb zur Selbſtthaͤtigkeit in ihnen weckte, die Keime zu vielem Schoͤ⸗ nen entwickelte, und geiſtige Bluͤthen zur Reife befoͤrderte, worauf die neuere Zeit ſtolz ſeyn darf. Von den Deutſchen will ich nur Einige, z. B. unter den Dichtern: Klopſtock, Leſſing, Wieland, Schiller, Herder, Voß, Leopold von Stolberg, A. W. Schlegel; unter den Geſchichtſchrei⸗ bern: Johann Muͤller und Heeren;z unter den Philoſophen: den ſchon angefuͤhrten Herder, F. H. Jacobi, Fries u. ſ. w. nennen. Dieſe Maͤn⸗ ner hingen nicht an todten Formen, wie viele Schulpedanten, ſondern dran⸗ gen in den Geiſt des klaſſiſchen Alterthums ein, und erfaßten denſelben beſſer als die Baxter und andere Kritiker ahnlichen Geiſtes; ſie brachten von ihren Wanderungen in Hellas und in Latium Schaͤtze mit, die nicht nur in ihnen, ſondern auch in vielen Andern die Begierde erweckten, Werke von aͤhnlicher Gediegenheit und Schoͤnheit im Gebiete der deutſchen Litera⸗ tur hervorzubringen. Durch eine ſolche Erfaſſung der Schoͤnheiten des Al⸗ terthums, durch einen ſolchen Geiſt, der nicht blos traͤge genießt, ſondern ſelbſt aus ſich Schoͤnes und Gutes herausbildet, ehren wir die Alten am beſten. Auf den Geiſt hinzuweiſen, der in ihren Schriften weht, und in uns, wo noͤglich, verwandte Gedanken und Gefuͤhle anzuregen, iſt der gZweck gegenwaͤrtiger Abhandlung. Dieſer Gegenſtand darf fuͤr die Jugend keineswegs unwichtig ſcheinen. Denn da die Erklaͤrung der klaſſiſchen Werke einen betraͤchtlichen Theil des Unterrichts an den oͤffentlichen Bildungsan⸗ ſtalten ausmacht; da mit dem Studium der klaſſiſchen Literatur unſere hoͤ⸗ here Bildung beginnt; ſo laͤßt ſich wohl die Frage aufwerfen: Wie ſoll der Juͤngling die Werke der Alten ſtudiren? Oder worauf ſoll der Lehrer und Erzieher vorzuͤglich aufmerkſam machen?
Ich betrachte den Gegenſtand der Unterſuchung zuerſt von einem allge⸗ meinen und dann von einem beſondern Geſichtspunkte, und frage:


