Was der menſchliche Geiſt Erhabenes und Schoͤnes in Wiſſenſchaften und Kuͤnſten hervorbringt, findet zu jeder Zeit eben ſowohl ſelbſtdenkende Ver⸗ ehrer und geiſtreiche Nachbildner, als blinde Anſtauner und geiſtloſe Nach⸗ . ahmer. So iſt es auch den klaſſiſchen Werken des Alterthums und beſon⸗ ders den Kunſtwerken der Hellenen ergangen. Nach dem Wiederaufleben der Wiſſenſchaften in Europa hat es nicht an Solchen gefehlt, die faſt aberglaͤubiſch Alles vergoͤtterten, was im Gebiete des Geiſtes von Griechen 1
und Roͤmern hervorgebracht worden; nicht an Solchen, denen die Kennt⸗ niß der griechiſchen und der lateiniſchen Sprache mehr, als die hoͤchſte Wiſ⸗ ſenſchaft galt, und die ſelbſt ihre Mutterſprache fuͤr zu gering oder zu bar⸗ bariſch hielten, als daß ſie die Vervollkommnung derſelben zum Gegenſtande ihres Beſtrebens machen ſollten. Auf der andern Seite aber hat es auch wuͤr⸗ dige Maͤnner gegeben, welche gleichfern von Ueberſchaͤtzung, wie von Ge⸗ ringſchaͤtzung der Alten, dem Großen und Herrlichen, das in den klaſſiſchen Werken niedergelegt iſt, Achtung zollten, und in ihm den edelſten Genuß fanden, ſich daſſelbe anzueignen und es ſelbſtthaͤtig nachzubilden verſtan⸗ den; die aber zugleich auch die Fortſchritte der Neueren in vielen Zweigen der Kunſt und der Wiſſenſchaft nicht verkannten, und ihre Mutterſprache zu einem höheren Grade der Vollkommenheit zu bringen bemuͤht waren. Bei dieſen Maͤnnern war das klaſſiſche Alterthum die belebende Sonne, welche


