Aufsatz 
Die Paläographie als Wissenschaft und die Inschriften des Mainzer Museums / von Moritz Munier
Entstehung
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der einzelnen Jhrhdâte. zuweisen, mögen sie, da eine gewisse Ordnung ja nöthig ist, dies thun, doch sollten sie sich dessen bewusst bleiben, was sie thun, und nicht von einer Wissenschaft und einem Sehen auf den ersten Blick sprechen. Unterschiede, die mannigfachsten Schriftcharaktere u. a. sieht man ja, manches andere kann man sich dazu einbilden.

Wir haben mit diesen Ausführungen schon die wichtigsten der S. 12 aufgeworfenen Fragen be- antwortet; es erübrigt nur anzuführen, dass auch Ritschl eine neben der Lapidarschrift herlaufende Vulgärschrift(p. 3, p. 20 unten), dass auch Ritschl griechischen Einfluss(p. 16 Anm.) annimmt. Auch er lässt die Vulgärschrift Bewahrerin des Alten(p. 4), ja sogar alten Formen beim späteren Auftauchen behilflich sein(p. 23), gestattet ebenfalls letzteres dem griechischen Einfluss(p. 12). Dass derselbe aber zur Erklärung der gradschenkligen M, der geschlossenen P heranzuziehen ist, fällt ihm nicht ein. Der Grund dafür ist wohl in seinen zahlreichen Verweisungen auf die früheren Abhandlungen im Rh. M. zu suchen. Dass mit Annahme einer Bewahrerin des Alten, besonders für die frühere Zeit aber auch für jede ohne Sorgfalt hingeschriebene Inschrift die Möglichkeit genauer Zeitbestimmung gänzlich wegfällt, verschuldet wohl seine Vernachlässigung dieser un- bequemen Bewahrerin, in Folge deren sie so wenig als Schafferin des Neuen berücksichtigt wird. Diese Vernachlässigung aber rächt sich dadurch, dass nun eine richtige Erklärung vieler Formen verhindert und so die verfehlte Aufstellung der S. 12 genannten Stufenfolge ermöglicht wird. Die Richtigkeit derselben wird nach Ritschl dadurch verbürgt, dass die primitiven(nicht gleichlinigen, schiefen) Formen der ersten Reihe später nicht mehr vorkommen. Dies trifft aber nicht zu für die betr. Formen von A, E, F, K, L, M, N, T, V, X, Y, die noch auf den rheinischen Inschriften erscheinen(vgl. Tabb. ph.). Die eckigen Formen der anderen Buchstaben B, C, D, 0, P, Q. R sind, was zwar für die Beurtheilung der Ritschl'schen Stufenfolge wenig von Belang ist(vgl. S. 12, 10), fast gar nicht bezeugt. Nur mit viel paläographischer Phantasie, 3, 4 Fälle vielleicht ausgenommen, kann man sie schen. Die von Ritschl angeführten verdanken theils der Ungeschicklichkeit oder Rohheit ihrer Verfertiger, wie man an den besser gelungenen runden derselben Inschriften sieht, theils der Schwierigkeit der Erzschrift ihr Dasein. Wohl die Hälfte derselben werden nach fremden Zeichnungen citirt(vgl. 11K u. 97⁰), andere finden sich auf rohen Inschriften, die gar nicht für römisch gehalten werden. Aus der eckigen cauda von Q auf 15.22 sicht man deutlich, dass sie den gebognen Strich der älteren Zeit vertreten soll, andernfalls hätte der grade der Urzeit genügt. Die E Nr. 5 u. 6, die ich nur anf Erz geschen habe, verdanken dem Material und wohl. ebenso sehr der Flüchtigkeit ihren Ursprung. Alle Linien, welche von unten nach oben gehen, sind ja auf Erz leichter als die wagrechten einzugraben. So ist wahrscheinlich auch T Nr. 6 zu erklären u. A Nr. 7, 8. Beim Schreiben verhält es sich umgekehrt, daher die andern schiefen Formen. In der späteren Zeit finde ich diese Erzformen nicht mehr. Ob nicht mit der rechten und linken Hand zugleich auf Erz eingegraben wurde, bei einer Schrift mit unverbundenen Buch- staben nicht undenkbar und wegen mancher Eigenthümlichkeiten nicht unwahrscheinlich(vgl. A Nr. 7 u. 8), wäre noch zu untersuchen.

Wenn nach Ritschl'spraktisch-populärer Betrachtung eine am wenigsten bindende(be- quemste?) Schriftübung trotz der Entlehnung, für die das Praktische sehr oft nicht massgebend ist in der Urzeit einen Einfluss ausgeübt hätte, müssten die auf einem Bein stehenden A oder W in seiner Reihe I stehen. A fehlt ganz, V steht in II; es leitet sich aus der Form Nr. 10. her und kommt natürlich auch als Zahlzeichen vor z. B. C. I. R. 990, 1198. Warum die älteste Form des P nicht in Reihe I steht, ist ganz unbegreiflich; ähnlich bei M. Das runde A scheint weniger auf einen nicht durchgedrungenen Rundungstrieb als auf etruskischen(umbrischen) Einfluss

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