Aufsatz 
Die Paläographie als Wissenschaft und die Inschriften des Mainzer Museums / von Moritz Munier
Entstehung
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hier zu viel gegen die Möglichkeit einer Ueberarbeitung in diesem Sinn spricht. Unterstützt wird meine Ansicht noch durch XLG aus dem Ende des 6. Jhrhdts. und z. Th. auch die andern Grab- schriften der Scipionen. Sie zeigen zu viel runde Formen, als dass man an Zufall denken könnte. Ich begnüge mich mit kurzer Hinweisung: R Z. 1, 3; I, L 3; N Nr. 7, 3; M von mortuos, 2mal V Nr. 11, und während in Z. 4, 6 G regelrecht gebildet ist, zeigt Z. 7 die Form Nr. 1, also dieselbe Erscheinung, die wir noch 200 Jahre später auf C. I. R. 1183 und 350 Jahre später auf 956 treffen, s. Tab. ph. IV(Aehnliches wie Tab. ph. III 1198 an den letzten E od. L zu ersehen LF, LXIIIPD, vielleicht auch LXIXB, am R der letzten Z. und letzten E auf LXXA). Ueberhaupt sind die 4 unteren Z. flüchtiger geschrieben und zeigen die meisten runden Formen. Wie viel roher sieht dieser spätere XLG aus als der ältere XXXVIIIE, der offenbar auf sorgfältig gezogene Linien, und dessen schwierigere Buchstaben mit Schablonen vorgezeichnet sind, wie man aus den N Nr. 2, den sehr gleichmässigen S, C, R, Buchstaben, die sonst auf Inschriften sehr verschieden gebildet sind, schliessen kann. Es scheint fast, dass mit der R-Schablone auch der obere Theil der B gemacht ist, der untere aus freier Hand zugefügt und gegen Ende der Inschrift bei erlahmender Sorgfalt zweimal misslungen. XXXVIIB jedoch, das Mommsen gegen Ritschl für jünger hält, ist aus freier Hand gemacht und zeigt wieder runde Formen, so besonders das V von sapiensque, das E unter diesem V. Vielleicht sollte auch das P von Scipio geschwungene hasta bekommen, man vgl. dazu auf XXXVIIC R, I, A und das folgende N. Parisuma hat P mit so spitz auslaufender Rundung, wie man nur immer verlangen kann; vergleicht man dazu die P von XX aus d. Jahr 637, bes. d. letzten Z., die gerundet auf Erz besondere Schwierigkeiten machten, von XIX bes. Z. 2, 3 und hält dagegen die von LVCa, pa, so begreift man nicht, warum z. B. LIVD nicht aus dem Anfang des 7. Jhrhdts. sein soll. Da das alterthümliche Aussehn doch ganz von der Vorzeichnung abhängt, und wir bald geringen, bald sehr sorgfältigen Gebrauch des Lineals schon auf den Scipionengrabschriften sehen, weshalb sollen wir einen noch ausgiebigeren Gebrauch in der ersten Hälfte des 7. Jhrhdts. nur deswegen für unwahrscheinlich halten, weil die wenigen Inschriften, die sicher aus dieser Zeit sind, ein anderes Aussehn zeigen? Freilich haben die Buchstaben auf LIVp, vielleicht L ausgenommen, apices, damit sind aber auch schon auf XXXIXF SCG, öfter MA, 2mal der Mittelstrich von E versehn, ja sogar auf XXXVIIB die S in der ersten Zeile, wo gewöhnlich sorgfältiger geschrieben wurde, und wo auch die zwei ersten L sich sehr der rechtwinklichen Form nähern(vgl. auch die 2 ersten auf ILE). Ferner hat app. das V in Z. 1 LIIA, nach Ritschl c. 600, P ebd., dessen runder, spitz ausgehender Bogen sich kühn neben denen von LIVD sehen lassen kann; EF R in Z. 1 auf dem einen ganz ähnlichen Charakter bietenden LIIIA und noch unten; CFSM auf XLVIIIE vom J. 575, von Mommsen denn auch späterer Zeit zugeschrieben; CS auf XLVIIIA, B. Es scheint demnach, dass gegen Ende des 6. Jhrhdts. die app. bei der Steinschrift Eingang fanden. Wenn wir sie jedoch nur auch an einem Buchstaben gefunden hätten, könnten wir darauf schliessen, sie einmal durchgängig angewendet zu sehen, wie wir ja genug Inschriften kennen, wo das, was auf andern selten vorkommt, Regel ist, so z. B. E mit ganz kurzem Mittelstrich IIX, XXXVIIB, LIIE; P mit geschlossener Schlinge LXXXII; R mit nach aussen gebogner cauda LXXIE. Wollte man nach der Norm grösserer oder geringerer Sorgfalt und Eleganz die Mainzer Inschriften auf die Jahrhunderte vertheilen, so käme mitunter der Stein eines Höchstkommandirenden aus der Zeit der ersten Kaiser in die Zeit vor Sulla, während die Steine gemeiner Soldaten der Eleganz ihrer Schrift wegen in der Mitte des 1. Jhrhdts. verblieben. Wenn nun Ritschl u. a. in dieser Weise manchmal mit Missachtung des von den Steinen selbst gelieferten Datums sie den Jahrzehnten