Aufsatz 
Die Paläographie als Wissenschaft und die Inschriften des Mainzer Museums / von Moritz Munier
Entstehung
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im allgemeineren Gebrauch bis auf spätere Zeiten nur bei den wagrechten Strichen des E, F, L, T und den schiefen des 0, R, bei ersterem ist die Biegung in späterer Zeit Regel ge- worden. Dies ist natürlich kein Zufall(vgl. S. 19); bei A und V half man sich durch die Formen Nr. 10 und Nr. 11. Seltstverständlich gelangen die geschwungenen Linien nicht immer gleich gut, wie ja auch heute beim Schreiben manche recht hölzerne Biegung zu Tag kommt. Viele Stein- metzen ferner brachten sie nicht in der erwünschten Deutlichkeit fertig; dass sie aber beabsichtigt waren, und dass auch verunglückte sich immer noch weit von wirklichen Fehlern unterscheiden, lässt sich leicht an der Hand der P. L. M. E. erkennen. Doch sehen wir, welche Anwendung sich von unsrer Hypothese in concreten Fällen machen lässt. Der Stein LVA wird von Mommsen des Schriftcharakters wegen in eine spätere Zeit versetzt; auch Ritschl ist geneigt, dem zuzustimmen. Die Buchstaben sind allerdings dünner als andere aus dem Anfang des 7. Jahrhunderts, dass dies aber keinen Grund für späteren Ansatz abgeben kann, glauben wir S. 10 oben genügend dar- gethan; es kommen sowohl in älterer Zeit Buchstaben mit dünneren Linien vor, wie auf späteren Inschriften. Im übrigen zeigt sich an der Form der Buchstaben nichts Elegantes, es sei denn, dass 1 N in der Form Nr. 1 vorkommt. Buchstaben mit geschwungenen Linien finden wir aber auch auf LVB vom Jahr 619, also nur 13 Jahre später, und zwar viel mehr, nämlich 3 N übereinander in der Form Nr. 7, 1 M etwa wie Nr. 1 und 1 A Nr. 16, das darunter- stehende scheint ebenso beabsichtigt zu sein, ferner die 2 ersten A der Zeile 1 Nr. 2, 11 ähnlich. Dass das P gerundet ist, kann neben denen auf XXXIXF nicht ins Gewicht fallen, bei der An- nahme des Vorschreibens auch nicht, dass die Rundung spitz ausläuft, ebenso wenig dass die Buchstaben recht gradlinig sind, was gleichfalls auf ältern Inschriften vorkommt, übrigens mit der Anwendung eines Lineals, das wir ja auch bei XXXIXF sehen, leicht zu erreichen ist. Wenn man die Gracchischen Steine LVO, D trotz ihres rohen und daher alterthümlichen Aussehens für nahczu gleichaltrig mit LVE hält, also die Möglichkeit geringerer Sorgfalt annimmt, warum soll man nicht ebenso gut die Möglichkeit grösserer Sorgfalt annehmen dürfen? Jedoch auch die Gracchischen Steine haben trotz ihrer Rohheit der herrschenden Mode ihren Tribut geleistet. Man erkennt deutlich auf beiden die Nform Nr. 7, auch an den gebognen Linien des M, bei LVD noch an 0, den schiefen Strichen eines E und dem oberen apex eines S, dass wohl anders vorgeschrieben war, als eingemeisselt wurde. Deutlich scheint mir dies ferner bei Llà, an welchem de' Rossi spätere Ueberarbeitung sehen will, und XLG erkennbar. Die E, L, T auf ersterem, deren wagrechte Striche der Steinmetz allerdings nicht so spitz hat auslaufen lassen, als sie wohl geschrieben waren, verrathen trotz der schlechten Einmeisslung noch einen gewissen Schwung, bes. Z. 4, 9, 10, E in gestas, der gleichfalls an der schief aufwärts gehenden Rundung der R, B, erkennbar ist; ein A, Z. 2 und noch deutlicher Z. 8, ebenso das M, Z. 10, N, Z. 7, Q, Z. 6, I in auspicio zeigen runde Linien; die P gehen noch spitzer aus als auf LVæA; endlich weisen noch auf das Schreiben hin das dicke Ende der G, bes. von signum, der Druck in dem lang geschwungenen S von cos, dessen Grundstrich eben, weil es so lang ist, dicker als die Grundstriche aller andern Buchstaben werden konnte, wenn man einige Stellen ausnimmt, wo z. B. bei A unten am Ende der Linie zu stark auf die Feder gedrückt wurde. de' Rossi, der an dieser Inschrift etwas von andern der ältesten Zeit Verschiedenes sieht, handelt sicher consequenter als Ritschl; er weist eben diese, wie Ritschl viele andere, die nicht durch grade dicke Striche eine gewisse Derbheit und Energie zur Schau tragen, einer späteren Zeit, bezgl. Ueberarbeitung zu. Er hat auf dem Stein zweierlei gesehn, eine grobe Ausführung und feinere, geschwungene Züge. Die grobe Aus- führung hält er wohl für das unterste, Erste, das Feinere für das obere, Spätere, ich umgekehrt, da