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scheiden sich die auf den Tab.„hol. vertretenen rheinischen Inschriften C. I. R. 1172 Tab. I, II, III, V, IX, X; 1187 I, II, V, X; 1182 I, V, VI; 1158 1, II, V, VIII, X; 1171 II, IV, VIII, IX, X; 1184 1, III, V, VIII, IX, X, XI; 1191, 1199, 1244, 914, 939 u. v. a. durch nichts sogar von denen der ältesten Zeit. Ueberhaupt wird der„entschiedene Eindruck ebenmässiger Würde, selbstbewusster Tüchtigkeit, natürlicher Vornehmheit“ vor allem dadurch verursacht, dass die ältere Zeit keine oder wenigstens von den Grundstrichen nur wenig unterschiedene Haarstriche eingräbt. Solche Steine aber mit einfachen Strichen kommen am Rhein noch in den spätesten Zeiten vor. Auch die weitere Behauptung Ritschl's, dass nach Augustus und Trajan mehr und mehr„die gesuchte Zierlichkeit“ zum Durchbruch kommt(p. 7), ist, wenigstens für die Inschriften des Mittelrheins, durchaus falsch, man vgl. auf den Tab. Phot. C. I. R. 956 aus dem Jahr 198, 999 aus 210, 1000 aus 199, 1025 aus 204, 1060 aus 227, 1237 aus der Zeit der Antonine oder auch späterer, 1310 aus 242, 1317 aus 225, 1336 aus 236. Grade der späteste Stein zeigt die kräftigste Schrift, auf die obige Schilderung des älteren Schriftcharakters am ehesten passt. Es wäre auch nach meiner Meinung wunderbar und fast unerklärlich, wenn in dem grossen römischen Reiche bei den verhältnissmässig mangelhaften Verkehrsverhältnissen die römischen Steinmetzen an allen Orten in einer bestimmten Zeit so gleichförmig gearbeitet hätten, dass ihre Inschriften überall für dieselbe Zeit oder auch nur für ein halbes Jahrhundert den gleichen Charakter zur Schau trügen, wie Ritschl und besonders Hübner, wohl auch die Mehrzahl der anderen Epigraphiker anzunehmen scheinen. Dieselben werden freilich entgegnen: Es gibt selbst- verständlich mehrfach Ausnahmen; aber was nutzt diese Einschränkung wenn man nicht weiss, woran die Ausnahme als solche zu erkennen ist. Dass ja gewisse Moden aufkamen und sich allmählich nach den verschiedensten Theilen des Reichs verbreiteten, wird wohl angenommen werden können, aber damit wird für Altersbestimmung in der Kaiserzeit so wenig zu machen sein, wie mit den„Vor-, Zwischen- und Nachläufern“ der alten Zeit. Wir haben in heutiger Zeit ähnliche Verhältnisse: Schon Ende der 60er Jahre begegnete man im Buchdruck und sonst den breiten trajanischen Buchstaben. Ihre Verwendung hat immer mehr zugenommen; trotz unserer raschlebigen, mit Maschinen arbeitenden Zeit wird aber nicht leicht jemand behaupten wollen, dass nach hundert Jahren der Schildermaler oder Steinmetz in jedem kleinen Städtchen Deutschlands oder Frankreichs nach der neuen Mode arbeitet. Für die alte Zeit jedoch könnte man ähnlich unsinnige Behauptungen namhafter Gelehrter beibringen.
Der geographische Gesichtspunkt und die oft damit in Verbindung stehende Berücksichtigung der verschiedenen Culturverhältnisse wird bei manchen paläographischen Altersbestimmungen gänz- lich vermisst. Es ist gewiss nicht einerlei, ob eine Inschrift oder eine Münze in Campanien, von griechischen Händen, oder in einem Gebirgsstädtchen bei Rom, oder in einer neu angelegten Colonie im cisalpinischen Gallien verfertigt wurde. Auch an einem und demselben Ort muss sie ganz anders werden, wenn sie in der Werkstätte gemacht wird, oder wenn sie vielleicht ein geübter griechischer Sclave einmeisselt, auch ganz anders, je nach der Herkunft, Kenntniss dessen, der sie hinschreibt. Eine Erwägung dieser verschiedenen Möglichkeiten habe ich nicht gefunden, obwohl nur so manche, sonst sehr merkwürdige Abweichungen erklärt werden können. Was ist z. B. natürlicher, als dass ein Grieche, der eine römische Inschrift zum Aushauen auf Stein schreibt oder die geschriebene einmeisselt, die römischen P wie griechische g macht, wenn er auch den besten Vorsatz hat, es richtig zu machen.(Ritschl nimmt für diesen Fall eine„zittrige Hand“ des Steinmetzen an, die aber merkwürdiger Weise mit Vorliebe bei den P gezittert hat.) Nur so lassen sich auch die M mit parallelen Schenkeln, die wir in der archaischen Zeit und


