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Stein ein(P. L. M. E. LXD pes. b. N) und grub sie in den harten Knochen(ebd. IIIe). Als man den Differenzirungsstrich des G an den Bogen setzte und letzteren allmählich in ihn auslaufen liess, ihn dann auch krümmte, wurden solche G sowohl auf dem Stein, wo der grade Strich leichter auszuhauen gewesen wäre, als auf dem harten Erz, wo die Rundung nur mit viel Mühe hergestellt werden kann, verwendet. Dass aber das G mit gradem Differenzirungsstrich das richtigere oder schönere sei, wusste man noch im 1. und 2. Jahrhundert n. Ch., machte es in den oberen Zeilen der Inschriften sorgfältig so, in den unteren nachlässig rund, obwohl die Rundung viel schwieriger einzuhauen war. Als man es liebte, den graden Strichen des M, N, A, V eine sanfte Biegung zu geben, den Querstrich des T stark zu biegen und spitz auslaufen zu lassen(diese Formen fehlen fast sämmtlich im Index palacogr. der P. L. M. E.), brachte man diese Eigenthümlichkeiten auf Stein, Thon und Erz an, obwohl grade Striche dort viel leichter herzustellen gewesen wären. N mit gewelltem Querstrich wie P. L. M. E. LXVI 3 finden wir schon ebenso LVIO 1, weniger deutlich LVB; LVæ; p. 41, einige recht deutlich auf Erz XXXII L. 23, auf Thon XV1I 45, 41; versucht, wie auch aus dem V ersichtlich, aber weniger gelungen auf XVI1I. N wie LXVI 3 das erste in Z. 10 u. 18 auf: LVB 2, 3, 4; LVOa 2; LXXT; LXXXI; p. 79; p. 67; XVIZO; XVIIO, das letzte in Z. 2; auf Erz oft XXXV, besonders deutlich am Anfang der 4. und 2 letzten Z., ferner XXXII. Man vgl. T auf XXXII; LXXXCG;P; LXXVIC; XVII;30; XVII4' 15; die gewellten Senkrechten von I, T, D, B, A u. s. w. auf LXDP; LVIC; LVpa; LIIIB; XLVIIS; XLVI; XCIX; XCVIIIK; der I und TA auf XVi;s, die der Zufall so wenig wie das L von XVà2 hervorgebracht hat, die Spitzen der D auf LXXIXAu. B in Z. 7 und XViS; 13; 22; 88, und man wird an diesen und unzähligen anderen Beispielen erkennen, dass sogar die unmerklichsten Fein- heiten auf jedem Material zum Ausdruck kommen. Es wäre im Gegentheil ganz unerklärlich, wenn das Material einen irgendwie wesentlichen Einfluss ausübte. Was sollte auch einen, der Buchstaben z. B. auf Blei eingräbt, bewegen, sie anders zu machen, als er sie immer gesehen, und warum sollten sie in Mosaik nicht so wie auf Stein werden, wenn man nicht etwa dort die apices ver- nachlässigen will? Wir sehen ja auch heute keinen wesentlichen Unterschied zwischen den gemalten, gedruckten, den Metall- und Steinbuchstaben, und besser wie die Alten bearbeiten auch wir nicht Stein oder Metall. Doch treten wir der Frage noch etwas näher und fassen zunächst die Steinschrift ins Auge. Hier stossen wir bei Ritschl gleich auf einen grossen Widerspruch. Er sagt a. a. O. p. 4:„ wogegen wiederum als anderes Extrem, die weichen Massen, in welche die Buchstaben rasch und aus freier Hand(nicht, wie auf den Stein, nach Vorzeichnung) mit dem Griffel oder dem ersten besten Stift eingeritzt wurden, so gefügig nachgaben, dass hier der indi- viduellsten Mannigfaltigkeit ein freierer Spielraum als sonst irgendwo gegeben war.“ Ritschl. überlegt nicht, dass die Vorzeichnung auf Stein, die wohl mit Kohle, Kreide oder Röthel, später mit atramentum geschah, dem Zeichnenden noch weniger Widerstand entgegensetzte als das Zeichnen in weichem Thon und gar das Einritzen, dass also, sobald man einmal bei der Lapidarschrift ein Vorzeichnen annimmt, das Material keinen Unterschied begründen kann, wenn der Steinhauer, was aus vielen Beispielen der republikanischen und Kaiserzeit erhellt(vgl. S. 12, 16), sich nach der Vorzeichnung richtet, die ja eben deswegen gemacht wird, dass also der Unterschied zwischen Lapidarschrift und Graffiten nur durch die grössere Sorgfalt des Zeichners, nicht die Beschaffenheit des Materials bedingt wird, und dass da, wo der Zeichner auf einen Stein oder Metall rascher und nachlässiger zeichnet, die oben erwähnten, durchaus nicht merkwürdigen Graffite auf Stein und „auch auf hartem Metall“ entstehen. Was einmal gar aus der frühen republikanischen Zeit, wo man durchgehends wenig Sorgfalt auf die Schrift verwendete, als Graffite auf Stein bezeichnet wird, 2


