Aufsatz 
Die Realschule in Höchst a.M. von 1817-1884 / von Philipp Hafner
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lehrer Chun nach Glarus, und an ſeine Stelle trat erſt Neujahr 1855 ein Nachfolger, der Lehrgehilfe Friedr. Schaab, der aber im Sommer desſelben Jahres die Univerſität Tübingen bezog, ſo daß Eichhoff der einzige Reallehrer war, während der übrige Unterricht durch Hilfskräfte, Elementarlehrer und Geiſtliche, erteilt werden mußte. Ja, im Sommer 1855 wurde ſogar in Ermangelung eines Lehrers für Botanik und Zoologie der Medizinal⸗Akzeſſiſt Dr. Fritze zum Unterricht heran⸗ gezogen, was aber nicht die Billigung der vorgeſetzten Behörde fand und nur bis zum Schluß des Sommerhalbjahres geſtattet wurde.

Es währte mehrere Jahre, bis wieder einigermaßen geordnete Zu⸗ ſtände an der Anſtalt einkehrten. Im März 1856 wurde der aus Glarus zurückgekehrte Reallehrer Chun als erſter Reallehrer angeſtellt, und als er nach zweijähriger Tätigkeit an die höhere Bürgerſchule in Wies⸗ baden verſetzt wurde, trat der Reallehrer Ferdinand Ulrich von Montabaur an ſeine Stelle. Der im Frühjahr 1857 nach Montabaur berufene Dr. Schaab wurde durch den Reallehrer Johann Maas aus Ems erſetzt; und als nun im Frühjahr 1858 der Kandidat Heinr. Preß proviſoriſch als dritter Lehrer an die Realſchule berufen wurde, waren nunmehr drei Lehrer an der Anſtalt vorhanden, ſo daß endlich mit der dreiklaſſigen Schule wirklich Ernſt gemacht werden konnte. Die Kom⸗ binationen in den Sprachen und in der Mathematik wurden aufgehoben und nur noch bei einigen Nebenfächern, und auch dabei nur vorläufig beibehalten; ferner wurde Naturgeſchichte für die erſte Klaſſe, Phyſik für die zweite Klaſſe hinzugefügt. Ein Hilfsunterricht wurde nur noch bei den Kunſtfertigkeiten belaſſen. Mittlerweile hatte ſich bis zum Sommer 1858 auch die Schülerzahl wieder auf 40 gehoben, und es waren ſo die Bedingungen für einen gedeihlichen Fortgang gegeben.

Um auch der weiblichen Jugend Gelegenheit zu einer über die Ziele der Volksſchule hinausgehenden Bildung zu geben, wurde von der Landes⸗Regierung unterm 12. März 1859 nach längeren voraus⸗ gegangenen Verhandlungen genehmigt, daß von Oſtern 1859 an mit der Realſchule eine höhere Töchterſchule nach den Grundſätzen der Koedu⸗ kation verbunden werde, in der Weiſe, daß die Mädchen am algebraiſchen, geometriſchen, chemiſchen und phyſikaliſchen Unterricht nicht teilnahmen, dagegen wöchentlich vier Stunden Induſtrieunterricht durch eine dafür berufene Induſtrielehrerin erhielten. Zugleich wurde das Schulgeld für die Knaben auf 15, für die Mädchen auf 20 fl. fürs Jahr feſtgeſetzt.

Die Neuordnung der Anſtalt hatte auf die Frequenz derſelben einen günſtigen Einfluß. Oſtern 1859 betrug die Zahl der Schüler 62, wozu noch 22 Mädchen kamen, ſo daß die Anſtalt die noch nicht da⸗ geweſene, aber auch ſpäter nicht wieder erreichte Zahl von 84 Schülern und Schülerinnen aufweiſen konnte.