Aufsatz 
Die Vulkane Deutsch-Ostafrikas : ihr orographischer Bau und ihre Beziehungen zur Tektonik des ostafrikanischen Hochplateaus / von L. Mues
Entstehung
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der Berg in ſeinen oberen Partien aus mehreren nach dem Gipfel hin verlaufenden ſchmalen Graten. Die Schluchten fallen ſteil ab. Der Hauptgrat iſt 45 kmꝛ lang und nur 34 m breit. Im Süd⸗ weſten erkannte man den Spiegel eines Sees, der von dem Führer Umburre genannt wurde. In der Ebene um den Berg wurden 5 6 kleine Krater gezählt; der Hauptkrater konnte nicht feſtgeſtellt werden.

Wandern wir weiter nach Süden, ſo ſehen wir die Conturen des Grabens immer undeutlicher, ſeine Ränder immer flacher werden. Breite vulkaniſche Rücken durchqueren ihn und füllen ihn, beſonders auf der Oſtſeite, ſtellenweiſe völlig aus.

Wie ſchon früher bemerkt, finden wir auf der Strecke von Mwapwa bis zum Nyaſſa das bedeutendſte vulkaniſche Material im Bergland von Kondé in der Umgebung des Rungue⸗Vulkans. Hier erſcheint der Graben geradezu verſtopft. Auch dicht am Nordufer des Nyaſſa ſinden ſich nach Süß zahlreiche junge Vulkane, welche eruptive Thätigkeit aus allerjüngſter Zeit verraten. Allerdings hält Süß das Grundgeſtein des Tafellandes von Kondé für kriſtalliſchen Schiefer, nur ſeine ſüdlichen Abſtürze ſeien vulkaniſcher Natur. Wir machten auf dieſe Anſicht ſchon an früherer Stelle aufmerkſam.

Ob vielleicht in dieſen Gegenden z. B. durch Gabelung eine Ver bindung zwiſchen dem großen oſtafrikaniſchen und zentralafrikaniſchen Graben beſteht, darüber würden ſich einſtweilen nur Vermutungen aufſtellen laſſen.

Weder bei Süß noch bei Peters finden wir Anhaltspunkte für

eine derartige Annahme. Schon einmal ſprachen wir davon, daß Süß eine Umbiegung des Nyaſſa⸗Grabens in den zentralafrikaniſchen Graben, in welchem auch wahrſcheinlich der Rikwa⸗See gelegen ſei, annimmt, während Peters von einem ſelbſtändigen Rikwa⸗Graben berichtet. Erſt weitere und eingehendere Forſchungen in den noch ziemlich unbekannten Gegenden dürften völliges Licht in dieſes Dunkel bringen.. Das Schauſpiel einer völligen Verriegelung des Grabens durch vulkaniſche Maſſen, wie wir ſie nach Peters für das Gebiet von Kondé angenommen haben, bietet ſich uns auch im zentralafrikaniſchen Graben nördlich vom Kivu⸗See.

Durch die Mfumbiro⸗Gruppe wird der Graben an dieſer Stelle vollſtändig in eine nördliche und ſüdliche Hälfte geteilt. Der Mfumbiro der Uganda⸗ und der Mpororo⸗Leute iſt der öſtlichſte Berg dieſer Gruppe. Weſtlich von ihm ſehen wir einen kleineren Kegel mit deut lich erkennbarem Einſturzkrater. Der Nahanga zeichnet ſich durch zwei konzentriſche Krater aus. Auf einem kleinen Plateau weſtlich vom Nahanga im Lande Wugoye oder Bugoye auf der Grenze von Mpororo und Kuanda gelegen, erhebt ſich ein Kegelpaar, deſſen öſt licher Kegel der Kiſſigali, an der Höhe der bedeutendſte der ganzen Gruppe, durch ſeine ſteil nach Oſten überhängenden Wände auffällt. Der letzte Berg weſtlich, der Virunga, wie er bei Goetzen genannt wird, iſt ein Kegel von typiſcher Vulkangeſtalt. Ueber ihn berichtet Stuhlmann, er ſei nach den Ausſagen der Eingeborenen von Gohali