Aufsatz 
Die Vulkane Deutsch-Ostafrikas : ihr orographischer Bau und ihre Beziehungen zur Tektonik des ostafrikanischen Hochplateaus / von L. Mues
Entstehung
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Nur der Umſtand, daß der Aſchenkegel im Innern des Kraters ſich noch ſchneefrei zu erhalten vermag, verrät, daß der Berg noch einen gewiſſen Grad innerer Wärme beſitzt, die denn auch nach Johnſton noch hinreicht, einer Quelle in einer Höhe von 4000 m eine Temperatur von 330 Celſ. zu verleihen. Meyer indeſſen hat trotz aller ſeiner Bemühungen dieſe Quelle nicht aufzufinden vermocht.

70 km weſtwärts vom Kibo erhebt ſich der ebenfalls erloſchene Vulkan Meru, wahrſcheinlich auf derſelben Querſpalte des großen Grabens, die wir nach Meyer und Höhnel für den Kilima⸗Ndſcharo angenommen haben. Dem Bergfuße ſowohl, wie den niederen Hängen des Meru ſind ebenſo wie denen des Kilima-Ndſcharo zahlreiche Schmarotzerkegel aufgeſetzt. Ein Seitenſtück zu dem Kraterſee Tjahala finden wir hier in dem Kraterſee Balbal. Das Alter des Meru iſt zweifellos ein ſehr hohes, vielleicht iſt er älter als der Kibo. Sein äußerer Mantel iſt im Laufe von Jahrtauſenden durch Denudation ſchon völlig abgetragen worden; es iſt von dem Berg kaum mehr er⸗ halten geblieben, als das feſte Kratergerüſt. Auch dieſes hat den viel⸗ fachen zerſtörenden Einflüſſen der Luft und des Waſſers nicht immer zu widerſtehen vermocht; der Kraterrand iſt bis auf den ſüdweſtlichen Teil zuſammengebrochen. Nach Weſtnordweſten legt eine ungeheure Kluft das Innere des Berges blos. Eine von Dr. Kerſting aus⸗ geführte trigonometriſche Verechnung ergab für die Höhe des Berges 4462 m. Ein im Norden ſtehen gebliebener Reſt des Kraterrandes präſentiert einen zweiten Gipfel von 3700 m Höhe. Im Winter pflegt der Gipfel des Meru von einer leichten Schneedecke eingehüllt zu ſein, die aber der Mittagsſonne nicht Stand zu halten vermag. Eine Beſteigung des Vulkans iſt noch nicht verſucht worden.

Teleky beabſichtigte dieſelbe, wurde aber durch Unwetter ab⸗ gehalten, ſeinen Vorſatz auszuführen. In den mittleren und oberen Bergpartien treffen wir dieſelben Steigungspartien, wie beim Kilima⸗ Ndſcharo. Gewaltige Lavamengen haben auf der Weſſtſeite einen lang geſtreckten, breiten und flachen Rücken von etwa 700 m aufgeſchüttet, der bis an den Rand des großen Grabens reicht. Auf dieſem Rücken befinden ſich mehrere erloſchene Vulkane von einer Höhe bis zu 2000 m. Weiteres vulkaniſches Material finden wir auf der Peters'ſchen Karte ſüdlich von den Sſogonoy⸗Bergen. Seiner Lage nach ſcheint es von dem Doenge⸗Benne und dem Doronjori herzuſtammen.

Von beſonderem Intereſſe, weil heute noch thätig, iſt der Doenge⸗ Ngai. Er liegt am Südende des Gelei⸗Natron⸗Sees, in noch ziemlich unerforſchtem Gebiet. Er iſt mit dem Weſtrande des großen Grabens förmlich verwachſen und macht nach Fiſcher den Eindruck, als ob er dem Grabenrande angeklebt ſei. Nach demſelben Reiſenden ſoll er noch beſtändig Dampfwolken ausſtoßen.

Der Gurui an der öſtlichen Längsſeite des Balangda⸗Sees iſt nach Graf Goetzen ein vereinzelt liegender Kegel, von zerriſſenen Formen. Er hat eine Höhe von 3000 und einigen hundert m. Bis zu einer Höhe von 2900 m wurde er von Graf Goetzen und Dr. Kerſting beſtiegen. Infolge ungünſtiger Witterung war es den Reiſenden unmöglich, den Gipfel zu erreichen. Nach Goetzen beſteht