Aufsatz 
Die Vulkane Deutsch-Ostafrikas : ihr orographischer Bau und ihre Beziehungen zur Tektonik des ostafrikanischen Hochplateaus / von L. Mues
Entstehung
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aus in 6 Tagen zu erreichen. Auch eine neuerliche Thätigkeit des ſelben wollten die Eingeborenen wahrgenommen haben. Sie erzählten von nächtlichem Feuerſchein, von Lärmen in ſeinem Innern, das wie Flintenſchießen und Rinderbrüllen klinge und von einem böſen Geiſt verurſacht würde. Stuhlmann ſelbſt hat nichts dergleichen wahr⸗ genommen, dahingegen hat die Goetzen'ſche Erpedition dieſe Er⸗ zählung beſtätigt.

Nach Goetzen erheben ſich die Virunga⸗Vulkane nördlich des Kivu⸗Sees, auf der Grabenſohle, quer vorliegend, ohne Verbindung mit den Grabenrändern; ſie teilen dieſen in eine nördliche und ſüd⸗ liche Hälfte. Die Wa⸗Ruanda nennen die Kette Virunga, mit Mfumbiro wurde nur der öſtlichſte Berg, reſp. die dortige Landſchaft bezeichnet. Als Goetzen nach ſeinem Uebergang über den Kagera die Landſchaft Kiſaka betrat, wurde ihm endlich in weiter Ferne der ſchon lange er⸗ wartete Anblick der ſpitzen Kegel der Virunga⸗Vulkane zu Teil, zunächſt aber weder Rauch noch Feuerſchein von ihnen wahrgenommen. Erſt einige Nächte ſpäter überzeugte ihn ein blutroter Schein am Himmel, daß er Vulkane vor ſich hatte, von denen ſich wenigſtens einer in voller Ausbruchsthätigkeit befand. Nachdem er einige Zeit beim Kigeri vom Ruanda verweilt hatte, betrat er die Landſchaft Bugoye und bezog öſtlich vom Kirunga tja Gogo ein Lager.

Der Vulkan lag frei vor ihm in den Wolken, während die öſt⸗ lichen Nachbarn nur ſelten dem Auge ſichtbar wurden. Bei der Be⸗ ſteigung, die Goetzen in Begleitung Dr. v. Prittwitz' unternahm, überſchritten die Reiſenden zunächſt ein weites, völlig flaches Lavafeld. Auch die Berghänge beſtanden aus Lava. Sie waren in den unteren Partien mit Urwald beſtanden, weiter oben zeigten ſie eine ſchwarze Farbe und waren mit alpiner Flora bedeckt. Vom Fuße des ſteilen Hauptkraterkegels bedurfte es noch eines 2 ½ ſtündigen, mühſeligen Kletterns, oft mit Zuhilfenahme der Hände, um den Kraterrand zu erreichen. Die Wände des Kraterkeſſels waren von ſchwarzer Farbe mit roſafarbenem Geäder, ſie ſtürzten ſenkrecht wohl an 300 m tief herab. Den Boden des Keſſels bildete ein erkalteter ſog. Lavaſee, der in den ſchönſten Farben marmoriert erſchien. Er wies in der Mitte zwei gewaltige brunnenähnliche. Oeffnungen auf, von einer Regel⸗ mäßigkeit, als wären ſie von Menſchenhand hineinzementiert, durch deren eine beſtändig unter donnerähnlichem Getöſe gewaltige, dem Geruch nach zu ſchließen, ſchwefelhaltige Dampfwolken ausſtrömten. Der Kraterrand war vollſtändig erhalten. Ein Rundgang, der wegen der ſowohl nach innen wie nach außen ſteil abfallenden Wände völlige Schwindelfreiheit erforderte, nahm etwa zwei Stunden in Anſpruch. Der allabendlich bemerkte Feuerſchein fand ſeine Erklärung in einer Ausbruchsſtelle glutflüſſiger Lava, die Dr. Kerſting inzwiſchen einige km nordweſtlich vom Hauptvulkan entdeckt hatte. Die ganze Gegend war durchaus vulkaniſch. Am Kivu, deſſen Nordufer aus alten Laven beſtehen, ließ ſich noch die Stelle unterſcheiden, wo die glühenden Maſſen ſich ins Waſſer geſtürzt hatten.

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