Aufsatz 
Die Vulkane Deutsch-Ostafrikas : ihr orographischer Bau und ihre Beziehungen zur Tektonik des ostafrikanischen Hochplateaus / von L. Mues
Entstehung
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ſammenzuhalten ſcheinen. Eine ähnliche Erſcheinung finden wir beim Aetna. Der geſchloſſene Mantel des Kibo beſteht dagegen aus einer von unten bis oben einheitlichen Lava; die Auswürflinge bat die Ab⸗ tragung durch Wind und Wetter entfernt. Das Geſtein des oberen Kraterrandes iſt beim Ausfluß feuerflüſſiger Magma durch Kontakt⸗ metamorphoſe in glaſige Obſidane verwandelt worden Stellenweiſe, z. B. bei der Kaiſer⸗Wilhelm⸗Spitze, findet ſich auch eine blaſige Lava, Leucit⸗Baſanit, das Material des inneren Eruptionskegels.

Auf dem Verbindungsſattel zwiſchen dem Kibo und Mawenſi findet ſich hauptſächlich Schlamm und Aſche. Das Feld nördlich von den erwähnten fünf Plateauhügeln ſtellt einen einzigen großen Schlamm⸗ ſtrom dar, in den größere Felsblöcke und kleinere Trümmer eingeſtreut ſind. Die weiten Lavafelder an den Hängen werden durch den ewigen Temperaturwechſel und durch den Einfluß der Atmoſphärilien in immer kleinere Trümmer zerſprengt, bis ſie endlich in Sand und vulkaniſche Aſche zerfallen. In den Thälern des Kilima⸗-Ndſcharo findet ſich nach Peters eine tiefgründige Ackerkrume von vulkaniſchem Lehm, die, wenn auch von Trümmergeſtein durchſetzt, von unerſchöpflicher Frucht⸗ barkeit iſt. Die Baſalte der Plateauregionen zeichnen ſich durch große, ſchöne Olivinkryſtalle aus. Je weiter wir zu den tieferen Regionen herabſteigen, deſto dichteres Gefüge nehmen die Baſalte an, deſto kleiner werden die eingeſchloſſenen Kryſtalle. An ſekundären Ausbruchſtellen in der Umgebung des Bergfußes finden wir ausgedehnte Felder von glatt geriebenem Trümmergeſtein, weithin ſich erſtreckende Schlamm⸗ ſtröme mit einer Menge verſchieden großer Einſchlüſſe, alle geglättet und abgerundet, ſoweit ſie durch dertikale Einſchnitte, z. B. durch den Himo⸗Ngombere und durch den Weri⸗Weri, blosgelegt ſind. Hieraus ergiebt ſich ohne weiteres der Schluß, daß ſie durch die Atmoſphärilien ſchon lange vor der Einſchließung in ihre jetzige Hülle bearbeitet worden ſind. 1

Der erſte glückliche Verſuch zum Entwurf einer geologiſchen Ge⸗ ſchichte des Kilima⸗Ndſcharo, die ſich mit ziemlicher Sicherheit aus dem Bau des Gebirges, aus der Art und Lagerung ſeiner Geſteine rekon⸗ ſtruieren läßt, iſt von dem ſchottiſchen Gelehrten Joſ. Thomſon gemacht und von Hans Meyer weiter fortgeführt worden. Wir folgen in unſeren diesbezüglichen Darſtellungen hauptſächlich dem letzteren.

Der Kibo iſt jünger als der Mawenſi.

Wenn der Kibo, ſchon ſeit Jahrtauſenden nicht mehr thätig, als im Greiſenalter ſtehend bezeichnet werden muß, das Haupt vom Schnee des Alters bedeckt, ſo iſt der Mawenſi, deſſen Leib unter der Ein⸗ wirkung telluriſcher und atmoſphäriſcher Kräfte bis auf das innerſte Gerüſt zerfallen iſt, nur noch ein moderndes Skelett. Zuerſt iſt auf einer öſtlichen Torſionsſpalte Peters nimmt auf Grund von Mitteilungen Dr. Baumanns eine beſondere nordöſtlich, gerade auf den Kopf von Nord⸗Nguru zu verlaufende Kilima⸗Ndſcharo⸗Spalte an der Magwenſi entſtanden. Schicht um Schicht wurde in den aufeinander folgenden Ausbrüchen aufeinander aufgeſchüttet, bis die vulkaniſchen Kräfte das ungeheure Gewicht des Berges nicht mehr zu