— 10—
zu ſtützen ſcheinen und teils aus paraſitiſchen, auf Vertikalſpalten ſtehenden Vulkanreihen, teils aus Lavaſtrömen beſtehen. Die Form der aufgeſetzten Kegel iſt meiſt gut erhalten; ſie ſind alſo noch ver⸗ hältnismäßig jung. Die mächtigſte dieſer Bergſtreben zieht ſich mit zahlreichen Kegeln durch die Djagga-Landſchaften Mſai und Mwiku hin, ſie bildet weiter unten die charakteriſtiſche Wadjimba⸗Gruppe und endet im Gebiet der Papyrus⸗Sümpfe des Rufu. Andere ſind die Baſſo⸗Hügel zwiſchen Kilima und Kirua und der Hügelzug zwiſchen Uru und Modji. Wo ſich auf der Kiboſeite des Gebirges ſtarke Reliefbildung zeigt, da ſtammt ſie, abgeſehen von einem einzigen, allerdings ungeheuren Baranco, von der erodierenden Kraft beſonders der Schmelzwaſſer der Kibogletſcher; wir erinnern uns, daß dem Mawenſi dieſe Gletſcher fehlen.
In ſeinem nordſüdlich verlaufenden Mittelgrat und den radial geſtellten Seitengraten mit den zwiſchen ihnen liegenden Trümmer— feldern läßt der Mawenſi den ehemaligen Krater nicht ohne weiteres erkennen. Die mächtigſte Trümmerhalde reicht in der Mitte der Weſt⸗ ſeite bis zu einer großen Scharte des Hauptkammes heran, die einer der charakteriſtiſchſten Punkte im Profil des Berges iſt. Die Steilheit und Zerriſſenheit der Felswände findet wohl kaum irgendwo ihres⸗ gleichen. In der Mitte der Oſtſeite fällt der Hauptgrat unter einem Winkel von 65⁰ zu einem 2000 m tiefen Keſſel ab, der wohl für den alten Krater anzuſehen iſt. Die höchſte Stelle des Grates, der ſich in fünf immer niedriger werdenden Gipfeln nach Süden hin abdacht, krönt eine impoſante Steilwand von 600 m Höhe. Im Gegenſatz zum Mawenſi iſt der Kibo ein gut erhaltener Vulkankegel von typiſcher Form und mit völlig erhaltenem Krater. Thäler, die durch Wildbäche und Seitenausbrüche bis zu einer Tiefe von 100 m in ſeine Flanken eingeſchnitten wurden, vermögen, abgeſehen von dem ſchon erwähnten mächtigen Baranco, den Eindruck eines vollkommenen Kegelmantels nicht zu zerſtören. Im Norden des Kraterkeſſels erhebt ſich ein flacher, jüngerer Kegel, deſſen Fuß ſich eng an die Kraterwände anſchließt, mit Ausnahme der Südſeite, wo ihn eine breite Schlammfläche von der gegenüberliegenden Wand trennt. Den Boden und die Wände des Keſſels bedecken größtenteils Schnee⸗- und Eismaſſen, nur der in ihm ſtehende Eruptionskegel iſt in ſeinen oberen Partien ſchneefrei und es liegt die Vermutung nahe, daß demſelben immer noch ein gewiſſer Wärmegrad eigen ſei, eine Vermutung, die durch ähnliche Erſcheinungen bei ſüdamerikaniſchen Vulkanen an Wahrſcheinlichkeit gewinnt.
Der Kilima⸗Ndſcharo iſt aus ſehr verſchiedenartigem vulkaniſchem Material aufgebaut. Durch die beiden Hauptausbrüche Mawenſi und Kibo iſt eine natürliche Zweiheit des Geſteins bedingt. Wie ſchon bemerkt, beſteht der Mawenſi vorwiegend aus Feldſpatbaſalt, der Kibo aus Nephelinbaſanit. Wunderbar iſt der Reichtum an Farben und Schichten, wie er ſich im Mawenſi bei ſeiner vielfachen Zerklüftung dem Auge mühelos darbietet. Eine der intereſſanteſten Erſcheinungen ſind mächtige, von dauerhafterem Geſtein ausgefüllte Vertikalſpalten, die gleich Klammern und Streben allein noch den morſchen Bau zu⸗


