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Höhe aneinander. Die beiden dem Mawenſi näheren und alſo älteren beſtehen aus zerfallener Lava, die drei jüngeren, dem Kibo näheren, ſind aus Aſche und Lapilli aufgeworfen; ſie haben keine Lavaſtröme entſendet. Alle Hügel ſind von oben nach unten durch einen Bruch geſpalten, der in der Nichtung der Hügelreihe ſelbſt verläuft. Auf der dem Bruch zugewandten Oſtſeite trägt der Kibo einen mächtigen Lavakamm, während die ihm abgewandte Weſtſeite durch eine ungeheure Kluft geſpalten iſt. In der Richtung dieſer Kluft erhebt ſich weiter weſtlich der Schirakamm, der zum Meru verläuft und bei koloſſalen Dimenſionen— ſeine Höhe beträgt 3500 m— faſt als ein ſelbſt— ſtündiges Gebirge gelten könnte. Der Steilkamm des Mawenſi ſtürzt nach Oſten in einen tiefen Keſſel ab. Es iſt nach alledem nicht un— wahrſcheinlich, daß eine Spalte von den Djulu-Bergen über den Mawenſi zum Kibo hin verläuft und in leicht gekrümmter Bogenlinie den Meru erreicht, der ſeinen Ringwall nach Oſten hin weit öffnet.
Entſprechend den dem Sattelplateau aufgeſetzten Kratern, finden wir auch am Fuße des Berges eine ganze Reihe 20 bis 150 m hoher paraſitiſcher Kegel. Sie reichen, ohne den Kreis zu ſchließen, vom Nordweſtfuß des Kibo, den Südabhang bekränzend, bis zum Nordoſt— fuß des Mawenſi. Dort verſchwinden ſie plötzlich. Die ganze Ebene am Nordfuß, die Region der Niiri⸗Sümpfe, bleibt von ihnen frei. Meyer nennt dieſe Schmarotzerkegel ihrer Lage wegen Fußhügel.
Das ganze Maſſiv baut ſich aus vulkaniſchem Material auf, an keiner Stelle iſt urgebirgiges Geſtein vorgefunden worden. Um zum Gipfel zu gelangen, überſteigen wir zahlreiche Terraſſen. In den oberen Teilen, wo zähflüſſige Laven zu ſchrofferen Formen erſtarrt ſind, zeigen dieſe eine viel ausgeprägtere Geſtalt, als in den unteren Teilen, wo leichtflüſſige Baſaltlaven ſich zu ungeheuer weiten Decken ausgebreitet haben.
Die Nordhänge fallen viel ſteiler ab als die Südhänge. Die Urſachen hierfür können mannigfacher Art ſein. Infolge des An⸗ ſteigens der Steppenebene nach Nordweſten haben ſich ohne Frage die in dieſer Richtung fließenden Laven geſtaut und infolgedeſſen ſteiler aufgebaut, während ſie ſich nach Süden hin frei ausbreiten konnten. Auch die paraſitiſchen Ausbrüche, an denen die Südſeite unverhältnis⸗ mäßig reich iſt, können hier eine ſanftere Abdachung veranlaßt haben. Nicht unbedeutenden Anteil an der Herſtellung einer ſanfteren ſüd⸗ lichen Böſchung haben zweifellos die ungeheuren Schlammſtröme, die ſich mit großer Gewalt über den Südhang ergoſſen, wenn bei gelegent⸗ lichen Ausbrüchen die Gletſcher und Schneefelder, die infolge der reicheren Niederſchläge früher wie heute hauptſächlich den Südhang bedeckten, zum Schmelzen gebracht wurden. Immerhin mag auch ein bei den Hauptausbrüchen herrſchender Nordweſtmonſun die vulkaniſchen Aſchen zum größten Teil nach Süden geführt haben.
Wenn wir von dem Schirakamm abſehen, ſind die Flanken der Weſthälfte des Kilima⸗Ndſcharo, die der Kibo aufbaute, viel glatter und gleichmäßiger als die von dem Mawenſi aufgebaute Oſſtſeite. Dieſe letztere iſt vom Fuß des Mawenſi bis zum Fuß des Sockels mit Kämmen beſetzt, die als mächtige Strebepfeiler den Berg gleichſam


