Aufsatz 
Die Vulkane Deutsch-Ostafrikas : ihr orographischer Bau und ihre Beziehungen zur Tektonik des ostafrikanischen Hochplateaus / von L. Mues
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

Gebirge erſt langſamer, dann ſchneller aus der Steppenebene. Vom 800 m hohen Fuß bis zum 1400 m hochgelegenen Djagga beträgt der Böſchungswinkel auf einer Strecke von 6 8 km 50 6⁰, von Djagga bis zu der in 4300 m Höhe gelegenen Baſis des Ribokegeln auf rund 20 km Horizontalabſtand 80, vom Kibo⸗Fuß bis zur 6010 m hoch gelegenen Spitze 21. Aus der Ebene ſteigt der Kilima⸗Ndſcharo als ein Berg bis zur Höhe von 4400 m an. Dort liegt ein kleines Hochplateau von ſattelförmiger Geſtalt, auf dem ſich in einer Ent⸗ fernung von etwa 8 km die beiden Gipfel ſchroff auftürmen, der Mawenſti, furchtbar zerriſſen, bis zu einer Höhe von 5358 m, der ab⸗ geſtumpfte Kegel des Kibo zu einer Höhe von 6010 m. Der Kegel des Kibo hat an ſeiner Baſis in 4300 m Höhe einen Durchmeſſer von 7800 m, der Kraterrand in etwa 6000 m Höhe einen ſolchen von 2000 m. Die Baſis des Mawenſi mißt in 4300 m Höhe 3000 m von Norden nach Süden, oben iſt er nur noch ein nordſüdlich ver laufender Steilkamm von 2000 m Länge. Die Baſis des Gebirgs⸗ ſtockes mißt nach Meyer vom Lumi⸗Fluß bis an das Ende des Shiragrates 90 km, von Norden nach Süden, d. h. von Modji an den Grenzen der Kahé-Steppe bis an die Njiri-Sümpfe 70 km. Peters findet für dieſe Dimenſionen die Zahlen 80 und 60 km, allerdings reicht bei ihm nördlich das Gebiet des Berges nur bis Leitokitok, da die Leitokitok⸗Ebene mit dem Ngare-Rongei und den Niiri⸗Sümpfen ſchon zur Steppe gehöre. Die oben angegebenen Grenzen ſind im Süden und Südoſten die Grenzen des breiteren Vulkanismus überhaupt nur am linken Ufer des Pangani erſtreckt ſich eine Lavadecke ſüdwärts bis etwa zum 4° ſ. B. während im Norden, Nordoſten und Nordweſten der Vulkanismus ſich in hervor⸗ ragender Weiſe bethätigt hat.

Peters hat unter der Annahme, daß der Berg bis zur Plateau- höhe von 4400 m ein regelmäßiger, abgeſtumpfter Kegel ſei, eine Berechnung für ſeine Dimenſionen ausgeführt.

Nach derſelben iſt die Fläche, die ſeinen Mantel bildet, gleich 3800 qkm oder rund gleich 70 deutſche Quadratmeilen. Von mehr theoretiſchem als praktiſchem Intereſſe iſt die Berechnung des Volumens des Maſſivs. Peters nimmt, da ein annäherndes Reſultat genügt, einen vollſtändigen, regelmäßigen Kegel von 5 km Höhe an, in den die beiden Spitzen bereits eingerechnet ſind. Es ergiebt ſich dann das Volumen gleich 6414 cbkm. Bei der Annahme eines durchſchnitt⸗ lichen ſpezifiſchen Gewichtes von sp= 2 reſultiert für die Maſſe des Kilima⸗Ndſcharo M= 12 828 Milliarden Tonnen.

Uebrigens ſei noch bemerkt, daß der ein einziges Maſſiv bildende Kilima⸗Ndſcharo den doppelten Flächenraum wie der Harz umfaßt. Es gehört nicht viel Phantaſie dazu, um ſich vorzuſtellen, welch' im ponierenden Eindruck ein unvermittelt aus der Steppenebene bis zu einer relativen Höhe von faſt 5000 m emporſteigenden Bergkoloß von ſolch' ungeheurer Baſis, der in ſeinen Hängen, dem Auge gleichzeitig ſichtbar, alle Zonen der Erde vereinigt, auf den Beobachter macht.

Auf dem Sattelplateau reihen ſich vom Südfuße des Mawenſi bis zum Oſtfluſſe des Kibo fünf vulkaniſche Kegel von 30 bis 100 m