Aufsatz 
Die Vulkane Deutsch-Ostafrikas : ihr orographischer Bau und ihre Beziehungen zur Tektonik des ostafrikanischen Hochplateaus / von L. Mues
Entstehung
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Kilima⸗Rdſcharo, der Mawenſi. Sofern wir Großes mit Kleinem in Parallele ſetzen dürfen, können wir mit ihm manche unſerer central europäiſchen Phonolitkegel, ſo den Mileſchauer Donnersberg ver⸗ gleichen. Ebenſo finden wir für die in Oſtafrika häufig vorkommenden, ſanft geneigten, ſich weithin erſtreckenden Lavadecken, die durch leicht flüſſige Baſaltlaven gebildet wurden, Analogien in den Lavafeldern der Auvergne.

Beginnen wir nun bei unſerer Einzelbetrachtung mit dem Kilima Ndſcharo⸗Gebiet, ſo haben wir als bemerkenswerteſtes Reſultat der Teleky'ſchen Expedition zunächſt die Thatſache zu berichten, daß wir es mit einem Grundgebirge kriſtalliniſch ſchieferiger Natur zu thun haben, dem die Vulkanrieſen des Kilima⸗Ndſcharo und des Mern wie Fremdkörper aufgeſetzt erſcheinen. Ob auch die Djulu⸗Kette, die nord⸗ öſtlich vom Kilima⸗-Ndſcharo von NW. nach 80. ſtreicht, ein Produkt vulkaniſcher Thätigkeit iſt, müſſen wir einſtweilen dahingeſtellt ſein laſſen.(Höhnel.) Jedenfalls findet ſich in ihrer Umgebung viel vulkaniſches Material. Wenn ein von Norden kommender Reiſender den Nordrand der Kette entlang wandert, ſo ſieht er ſich erſtaunt nach Kratern um, wenn ſein Fuß nach langer Wanderung in fein⸗ körnigem Sand plötzlich glashartes Lava⸗Gerölle betritt. Erſt am 80.-Fuß der Kette erfolgt die Löſung des Rätſels. Er findet hier eine große Anzahl ſcheinbar erloſchener Krater, die durch ihre wohl⸗ erhaltene Vulkanform ihr noch jugendliches Alter verraten. Dieſe Krater bedecken nur die niedrigſten Teile der Berghänge, einige ſtehen ſogar iſoliert in der Umgebung des Bergfußes. Ihre vegetationsloſen Hänge ſind mit ſchwarzer oder grünlicher, oft auch roter Aſche, die Umgebung einzelner mit einer mehrere Meter hohen Schicht ſchwarzer blaſiger Lava bedeckt. Gehören die meiſten dieſer Auswürflinge auch der neueſten Zeit an, ſo waren doch bei keinem derſelben Spuren noch heutiger Thätigkeit ſichtbar.

Ziemlich genau in der Mitte der Verbindungslinie des Mern mit dem S0.-Fuße der Dinla⸗Berge erhebt ſich der ungeheure Doppel⸗ kegel des Kilima⸗Ndſcharo aus dem 800 1100 m hohen Plateau bis zu einer relativen Höhe von nahezu 5000 m.

Kilima⸗Ndſcharo iſt eine Suaheli-Bezeichnung und bedeutet Berg des Geiſtes Ndſcharo, unter dem Ndſcharo nach Meyer eine männ⸗ liche Oreade, eine Art afrikaniſcher Rübezahl verſtanden, der auch einen Berg in Bondei bewohnt und dieſem ebenfalls den Namen Kilima⸗Ndſcharo giebt. Die Bewohner der Berghänge, die Wa⸗Djagga, haben keinen einheitlichen Namen für das Maſſiv, ſie nennen den weſtlichen eisbedeckten Gipfel Ki⸗bo, d. i. den Hellen, den öſtlichen eisfreien Mawenſi, d. i. den Dunklen. Dieſe Bezeichnungen ſind auch in das Suaheli übergegangen, doch iſt die letztere in Ki⸗Mawenſii verdorben worden, in dem man analog dem Ki⸗lima⸗Ndſcharo und Ki⸗bo dem Mawenſi fälſchlich den Präfix Ki⸗ vorſetzte. Nach Peters würde übrigens Kibo oder Kipo(vom Stamme pa) der Herr, der Spender und Mawenſi der Wolkenberg bedeuten.

Der Kilima⸗Ndſcharo wird von Oſten her gewöhnlich auf zwei Routen erreicht, auf der von Mombas und der von Pangani. In