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eine Erklärung der Nebengräben des Kerio und Trgnell, ſowie der Zerſplitterung am Rande der abeſſyniſchen Scholle.
Die Frage nach der Zeit der Entſtehung dieſer Verwerfungen läßt ſich bei dem heutigen Stande der Wiſſenſchaft nicht mit hin— reichender Schärfe beantworten. Indeſſen laſſen eigentümliche Merk⸗ male in der Fauna des Tanganjika den Schluß nicht zu gewagt er⸗ ſcheinen, daß derſelbe ſchon ein ſehr hohes Alter erreicht habe. Immer⸗ hin iſt dieſes nur eine Vermutung.— Die Laven, welche die dem Graben zugekehrten Abſtürze von Leikipia und Mau bilden, ſind älter als der Graben ſelbſt. Dieſe älteren Laven ſind Zeugen gewaltiger Störungen, die dem Eintritte jener Dislokationen voraufgingen. Die Thatſache, daß Nilpferde und Krokodile im großen Graben leben, ſowie daß die wenigen Conchylien, die von den Terraſſen des Rudolf- und und Stephanie⸗Sees bekannt ſind, der Nilfauna entſprachen, deutet auf eine verloren gegangene Verbindung mit dem Nil hin. Wir erinnern daran, daß der Semliki⸗Fluß mit dem Albert Eduard⸗ und Albert⸗Nyanſa einen Teil des Oberlaufes des heutigen Nil bildet und daß Jackſon eine Reihe von Seen fand, die ſich vom Elgon bis zum Nil erſtrecken. Iſt vielleicht ein alter Zufluß des Nil mit ſeiner Fauna in die heute abflußloſe Senke aufgenommen worden? Wir wiſſen es nicht, aber ſo viel ſteht feſt, daß ſehr bedeutſame Vorgänge in den heute abflußloſen Gebieten jünger ſein müſſen, als die heutige Flußfauna des Nil.(Süß.)
Die Entſtehung der meiſten oſtafrikaniſchen Vulkane reicht in die Tertiärzeit zurück, doch finden wir immerhin eine ganze Reihe noch thätiger Feuerkegel, ſo den Dubbi, den Orteale, den Doenge Ngai, den Gurui, den Virunga. Wir haben infolgedeſſen dieſe Gebiete als eine Zone nur labiler telluriſcher Zuſtände aufzufaſſen, in der faſt kein Jahr vergeht, ohne daß größere oder geringere ſeismiſche oder vulkaniſche Störungen ſich bemerkbar machten.
Man begreift, daß das Volk ſolche Ereigniſſe mit ſeinem Sagen⸗ kreis verbindet. Die häufigen Erdbeben am Tanganjika werden von den Eingeborenen als Warnungen und Klagen des Sturmdämons Kabogo bezeichnet, und die Somali behaupten ſogar, vor der noachiſchen Flut habe das Meer nicht beſtanden, das Arabien von Afrika trennt. Uebrigens begegnen die Eingeborenen dieſen Naturereigniſſen mit größerer Furchtloſigkeit, wie man eigentlich vermuten ſollte. Graf Goetzen berichtet von einem ſtarken Erdbeben von mehrſtündlicher Dauer, welches er in der Nähe des Gurui am 3. Februar 1894 erlebte, daß die gerade mit dem Kochen beſchäftigten Weiber das donnerähnliche Getöſe mit lautem, trillernden Geſchrei begleitet hätten, ohne indeſſen von ihrer Arbeit abzulaſſen oder eigentliche Furcht zu verraten. Wenn die Erde bebt, ſchüttelt, wie die Eingebornen ſagen, der Ochſe Gottes ſeine Hörner.
Vergleichen wir die einzelnen Vulkankegel miteinander, ſo unter⸗ ſcheiden wir ganz deutlich zwei verſchiedene Ausbruchsperioden, von denen die frühere trachytiſche und phonolitiſche, die ſpätere baſaltiſche Produkte lieferte. Die erſteren Geſteine bilden meiſt förmliche Vulkan⸗ ruinen; ein typiſches Beiſpiel einer ſolchen iſt der öſtliche Gipfel des


