Aufsatz 
Die Vulkane Deutsch-Ostafrikas : ihr orographischer Bau und ihre Beziehungen zur Tektonik des ostafrikanischen Hochplateaus / von L. Mues
Entstehung
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liegt. Typiſch iſt das Vorkommen von trocken gelegtem Seeboden bei Mwapwa. Die ausgeprägteſte Grabengeſtalt finden wir dann wieder weiterhin nördlich in den von Teleky und Höhnel bereiſten Ge⸗ bieten. Die hier die Umrandung bildenden Gebirge von Mau, Kamaſia, Elgejo und Leikipia ſind nicht Ketten, als welche ſie ſchlechtweg be⸗ zeichnet werden, ſondern die wild zerklüfteten Ränder eines ſteil ab⸗ fallenden Tafellandes.

Eine Analogie zu dem Querriegel von Kondé bildet die Mfumbiro Gruppe im zentralafrikaniſchen Graben, der den Tanganjika⸗ und Kivu⸗See umſchließt. Hier wie dort iſt, wie das Vorhandenſein der Seen andeutet, die Grabenſohle tiefer eingeriſſen und hat infolgedeſſen den vulkaniſchen Maſſen leichter den Durchbruch geſtattet. Auf die⸗ ſelbe Urſache iſt auch das Vorhandenſein von reicherem vulkaniſchem Material an der Längsſeite in der Senke gelegener Seen, z. B. des Balangda⸗ und Natron⸗Sees, zurückzuführen.

Berückſichtigen wir, daß wir uns den großen Graben durch den Bruch zwiſchen der abeſſyniſchen Scholle und dem Aruſſi⸗Plateau, d. h. durch das Thal des Hawaſch und Omo; ferner durch die erythräiſche Senke, das rote Meer, das Ghor, das Jordanthal und durch Cöle⸗ ſyrien fortgeſetzt zu denken haben, ſo kommen wir zu dem Schluß, daß wir es hier mit einer Störungszone von ungeheurer Ausdehnung zu thun haben, der wir nichts ähnliches auf unſerm Erdball gegenüber ſtellen können. Wir können dieſelbe annähernd mit den Rillen des Mondes in Parallele ſetzen. Von geringerer Bedeutung iſt der zentral⸗ afrikaniſche Graben; durchaus untergeordnet ſind der Rikwa⸗ und Wembere⸗Graben, die überhaupt erſt bei Peters ſelbſtändig auftreten.

Was die Entſtehung dieſer Gräben anbetrifft, ſo hat man dieſelbe früher auf vulkaniſche Ausbauchung und endliche Zerreißung der Erd⸗ rinde zurückgeführt, doch iſt dieſe Theorie kaum haltbar, da bei einer derartigen Zerreißung die entſtehende Kluft doch ſofort wieder durch junge Laven hätte ausgefüllt werden müſſen und jedenfalls nicht in der Spalte nur vereinzelte Vulkankegel entſtanden wären. Ebenſo⸗- wenig paßt die Vorſtellung von dem eingebrochenen Mittelſtück eines Gewölbes. In dieſem Falle müßten die Widerlager des Gewölbes zu beiden Seiten als Horſte ſtehen geblieben ſein. Solche Horſte aber finden wir auf der ganzen Ausdehnung der Gräben nicht; ihre Ränder werden, wie ſchon bemerkt, von Tafelländern gebildet. Ein Umſtand, der die letzte Theorie zu unterſtützen ſcheint, iſt der, daß die Waſſer⸗ ſcheide oft ganz nahe am Rande des Grabens verläuft, doch kann dieſe Erſcheinung auch durch eine lippenartige Aufwärtsbewegung der bei der Spaltung plötzlich frei werdenden Ränder erklärt werden. Am beſten paßt für die meiſten Stellen die Vorſtellung von einer Zerteilung der Erdoberfläche in längliche Trümmer und Schollen, wie ſie entſteht, wenn ein in großer Tiefe vorhandener Spalt ſich nach oben in zahl⸗ reiche Klüfte und Riſſe zerſplittert, und die ſolchergeſtalt entſtandenen Trümmer in ungleiche Tiefe geſunken ſind, derart, daß nun hervor⸗ quellende Laven teilweiſe ein Nivellement der Grabenſohle vorgenommen, teilweiſe aber auch einzelne Becken iſoliert haben, die nun zu den Betten abflußloſer Seen wurden. In dieſer Theorie hätten wir gleichzeitig