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heiten vor der mit den sogenannten 30 Tyrannen eingeführten Oligarchie thätig gewesen sei und auch aus der Erwähnung bei Xenophon scheint hervorzugehen, dass nur einmal- Sokrates Mitglied des Raths gewesen sei. Man könnte zwar gegen die Einerleiheit der im Gorgias angeführten Thatsache mit der in den andern Stellen berichteten einwenden, nicht die Unge- schicklichkeit des Sokrates sei es da gewesen, welche ihn abhielt, das Voll abstimmen zuassen, sondern sein strenges Festhalten an den Gesetzen, welche, um übereilte Beschlüsse des Volks zu verhüten, eine gemeinsame Abstimmung über alle Angeklagte verboten, sondern über jeden Einzelnen besonders abstimmen zu lassen, zur Pflicht machten und es sei daher nicht wahrschein- lich, dass Plato das, was so sehr zur Ehre seines Lehrers gereichte, selbst in ein anderes, für die- sen weniger günstiges Licht gestellt haben sollte. Daher haben auch Mehrere, z. B. Sybrand und Vögelin, angenommen, dass Plato im Gorgias nicht jene bekannte Thatsache, sondern irgend ei- nen andern Fall gemeint habe, in dem Sokrates das Volk abstimmen zu lassen unterlassen habe. Auch Steinhart erklärt es für mehr als unwahrscheinlich, dass die in Frage kommende Stelle unseres Dialogs auf jene ernste Verhandlung zu beziehen sei, wobei Sokrates durch seine völlig gesetzliche Weigerung wohl den Unwillen der herrschenden Parthei, schwerlich aber ihren Spott erregen konnte. Indessen ist es, abgesehen von der oben gemachten Bemerkung, die einen andern Vorfall anzunehmen verbietet, der Platonischen Weise oder der Art, wie Plato den Sokrates in seinen Dialogen reden lässt, sehr angemessen, dass er der bekannten Thatsache eine bescheidene und zugleich komische Wendung gibt, wodurch sie dazu dienen soll, um dem Lachen und der Rede des Polos gegenüber zu zeigen, dass Sokrates sich eben so wenig an das Lachen eines Einzelnen als der Menge kehre und sich nimmer dazu verstehe, eine Menge Einzelner oder gar den grossen Haufen, der übereilt und ohne Ueberlegung über die wichtigsten Sachen abzusprechen geneigt ist, über die Wahrheit, die nur von dem tiefer in das Wesen und in den Zusammenhang der Dinge Eindringenden erkannt werden kann, entscheiden zu lassen. Um so mehr aber konnte Plato jene Thatsache zu seinem Zwecke auch hier benutzen, weil er sie nicht in ihrer thatsächlichen Ursprünglichkeit, sondern in einer sol- chen Gestalt wiedergab, dass sie nicht sowohl als die bekannte Thatsache erscheint, sondern nur einen Grundsatz, den Sokrates immer befolgte, anschaulich machen hilft. Mit Recht bemerkt auch Stallbaum, dass eine besondere Geschicklichkeit nicht erforderlich war, um das Volk abstimmen zu lassen, und schon hieraus erhellt, wie sehr man den Sinn der Stelle verfehlt, wenn man gerade in der Lachen erregenden Ungeschicklichkeit des Sokrates eine wirkliche That- sache, nicht einen absichtlich angebrachten Scherz finden will.
Muss man nun diesen Anachronismus in unserm Dialog zugeben, so mag man wohl darin eine Verletzung der historischen Wahrheit und eine Ueberschreitung der strengeren Richtschnur


