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finden, die wir dem Schriftsteller und auch dem Verfasser eines Kunstwerks vorzuschrefben geneigt sind, aber sie kommen doch gegen das, was aus so vielen anderen mit den Verhält- nissen der redenden Personen inniger zusammenhängenden Stellen deutlich erhellt, kaum in Betracht und können das aus jenen hervorgehende Ergebniss nicht aufheben. Dies wird noch mehr sich herausstellen, wenn wir einen andern Punkt in Betracht ziehen, der zugleich für die Auffassung des ganzen Dialogs eine gewisse Bedeutung hat. Es wird in diesem ein Gemälde der athenischen Zustände gegeben und zwar ein im Ganzen düsteres und trau- riges. Nun ist man gewohnt, in einem solchen Licht vorzüglich die späteren Zeiten des pelo- ponnesischen Kriegs zu betrachten, in welchen durch die Ränke der Demagogen theilsidas Volkk im Ganzen zu übereilten Beschlüssen fortgerissen wurde, theils Sittenlosigkeit, besonders IIabsucht und Genusssucht, immer mehr in den Familien einriss. ¹) Plato will aber in diesem Dialog nicht die späteren Verhältnisse zur Sprache bringen, sondern zeigen, dass die üblen Zustände Athens schon in den früheren Zeiten des Staats ihre Quelle hätten und dass die so gepriesenen Führer des athenischen Volks, ein Miltiades, Themistokles, Kimon und Perikles, ²) eben weil sie nur den Zweck verfolgten, die Macht und die Hülfsquellen des Staats zu ver- mehren, nicht aber die inneren Zustände zu bessern, Gerechtigkeit und gute Sitte den Bürgern einzupflanzen, den unsittlichen und fast heillosen Zustand des Staats verschuldet hätten. Daher lässt er Sokrates blos und allein bei jenen früheren Volksführern verweilen und giebt nirgends über die späteren Zustände irgend eine nähere Andeutung, so sehr diese auch hätte dazu dienen können, um auch jene Behauptung noch weiter zu begründen. Ja selbst die Thatsache, die das ungerechte Treiben des von seinen Führern irregeleiteten Volks und den muthigen Widerstand des Sokrates in ein recht helles und in die Augen fallendes Licht zu stellen geeignet war, die ungerechte Verurtheilung der acht Feldherrn nach der Schlacht bei den Arginussen, hat er absichtlich so verändert, dass sie diese Bedeutung nicht mehr haben kann. Offenbar hat also Plato in der Wahl des Stoffs für seinen Dialog die Zeit, in welcher er die Unterredung gehalten wissen will, im Ganzen streng eingehalten und nichts eingemischt, was
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1) Schon Thukydides schildert den Anfang des Sittenverderbens, als Folge der furchtbaren Seuche im zweiten und dritten Jahre des peloponnesischen Kriegs, mit ernsten und für dio Erkenntniss der sittlichen Haltlosigkeit des heidnischen Glaubens bedentungsvollen Worten. II, 53. Steinhart, der diese Stelle auch anführt, vermuthet, wohl nicht mit Unrecht, dass der Chor in Soph. Oedip. Tyrann. V. 863— 910, der das Fortschreiten des gottlosen und unsittlichen Lebens deklagt, auf diese Zeiten sich beziehe.
2) Den Aristides lässt Plato an dieser Stelle nicht erwähnen, aber später p. 526 b. allein als einen Mann nennen, der im Besitz grosser Macht wegen gerechter Verwahung des anvertrauten Guts bei allen Hellenen Anerken- nung gefunden habe und einer von den wenigen Machthabern sei, welche vor den unterirdischen Richtern bestehen können.
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