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terstadt in Athen zuerst sich aufhielt, ist schon gesagt, und selbst Stallbaum, der eifrigste Verfechter der entgegengesetzten Ansicht von der Zeit der mit Gorgias gehaltenen Unterredung giebt zu, dass Plato in Hinsicht auf diesen Anfang etwas aus der späteren Zeit in die frühere übergetragen habe. Und doch ist anzunehmen, dass ein Schriftsteller gerade bei der Eröffnung der ganzen Handlung, die er darstellen will, am meisten die Situation hervortreten lässt, unter der er sich dieselbe gedacht hat. Wie konnte Plato, wenn er Sokrates in einer Unterredung mit Gorgias seinen Lesern vorführen wollte, einen anderen Zeitpunkt angemessener finden, als gerade den, wo Gorgias durch die Neuheit seiner Kunst am meisten Aufsehen und die Aufmerksamkeit sowohl seiner Bewunderer als eines Sokrates erregte, der das innerlich Wurmstichige einer solchen Kunst allein unter seinen Zeitgenossen erkannte, und deswegen den verderblichen Bestrebungen eines solchen Redekünstlers und seiner ihn noch überbietenden Anhänger ent- gegen zu treten sich für verpflichtet hielt. Es müssten also, wenn eine andere Ansicht über die von Plato angenommene Zeit sich mit einigem Recht aufstellen lassen sollte, ganz ent- scheidende Gründe aus anderen Theilen des Dialogs sich ableiten lassen, wonach man denn sich gezwungen sähe, das im Anfang Gesagte als eine blosse Redefigur anzusehen, die dazu die- nen sollte, um den mit Gorgias Kunst etwa durch irgend einen Zufall noch unbekannten So- krates zur Theilnahme an dessen Vorträgen zu reizen, so wenig dies auch dem Plato als Schriftsteller zur Ehre gereichte. Die Stellen, welche im weiteren Verlauf des Dialogs für die vorliegende Frage in Betracht kommen, sind folgende:
Gorg. p. 472 a.(c. 27.) àονυον⁶ονσαι σα ν. r. 4. Diese Stelle dürfte der Annahme einer späteren Zeit entschieden entgegenstehn. Denn nimmermehr können diese Worte von einem Zeugniss längst verstorbener Personen gebraucht werden. ¹) Dies wäre nur möglich, wenn die Genannten durch ihr Leben oder als Schriftsteller, was bei keinem von ihnen der Fall ist, ein Zcugniss ablegen sollten. Hier werden sie offenbar als Lebende gedacht und von Nikias wissen wir, dass er bis Ol. 91, 4 oder 513 v. Chr. gelebt hat, in welchem Jahr er auf dem seit 415 gegen Syrakus unternommenen Feldzug umkam, und also im J. 405 ein längst Verstorbener gewesen wäre, dass er aber schon 427 ein angesehener Mann war, da er in eben diesem Jahr als Strateg nach der Insel Minoa bei Megara abgeschickt wurde. ²) Auch der andere in der bezeichneten Stelle genannte Aristokrates, der wahrscheinlich schon 412, sicher aber 411 als Strateg erwähnt wird ³) und schon 427 ein bekannter Mann sein konnte, würde, da er 406
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1) Dass Sokrates, wie Ast a. a. O. p. 138 meint, der Redner spotte, welche nicht lebende Zeugen aufführen, sondern todte und enifernte herbeibringen, ist eine ganz unerweisliche Annahme.
2) Thucyd. III., 51. 3) Thuc. VIII., 9. 89.


