Aufsatz 
Eine Rede über Trennung und Zusammenhang der Schulen : nebst Anmerkungen
Entstehung
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den Schüler zu einer tüchtigen Sprachbildung zu führen, ob die Grammatik der Mutter- sprache oder die Erlernung einer fremden Sprache, so wird gewiss der letztere Weg den Vorzug verdienen, weil er der sichere und mehr erprobte ist. Daher wird die Realschule entweder nur das Lateinische wenigstens für eine Zeitlang in ihren Bereich ziehen*), oder dem Französichen in dem ersten Jahre ihres Cursus eine so überwiegende Stundenzahl widmen müssen, dass die Schüler an dieser Sprache zugleich unter steter Vergleichung mit der Muttersprache in die Sprache überhaupt eindriqgen und dann vermittelst dieser Grundlage während der folgenden Jahre eine gewisse Fertigkeit in der durch die sich erweiternden Verkehrsverhältnisse unentbehrlich gewordenen franzö- sischen Sprache erlangen, zugleich aber in die Kenntniss der deutschen Literatur, soweit sie für ihr Alter geeignet ist, um so besser eingeweiht werden können. Ja selbst bei der Betreibung der Naturkunde und Mathemartik wird sich die Frucht der Sprachbil- dung bewähren. Denn die Naturerscheinungen und ihre Gesetze müssen doch, wenn man auch soviel als möglich von der Anschauung ausgeht, nach ihren Merkmalen be- stimmt, sie müssen, sowie die Lehren der Mathematik, in Begriffe gefasst und durch Worte verdeutlicht werden. Davon habe ich aber, so wichtig auch die Sprachbildung für die Realschule ist, mich noch nicht überzeugen können, dass, wie Viele annehmen, das Princip der Realschule in der Betreibung der deutschen Sprache und ihrer Litera- tur zu suchen sei. Ein solches Princip scheint mir zu vag und unbestimmt zu sein, weil jede Art der Unterweisung ihren Reflex in der Muttersprache finden muss und jede Schule durch alle ihre Unterrichtsgegenstände auf die Ausbildung der Muttersprache hinzuwirken hat, weil ferner die trefflichsten Erzeugnisse der deutschen Literatur so hoch stehen, dass ihr Verständniss schon eine reifere Stufe des Geistes erfordert, als bei diesen Schülern vorausgesetzt werden kann. Daher wird, glaube ich, die Real- schule am sichersten zu einem inneren Zusammenhang und zu fester Gestaltung gelan- gen, wenn das oben schon genannte Prinzip bei der Bestimmung ihres Ziels zu Grunde gelegt, aber so eingehalten wird, dass nicht Mittheilung von mancherlei wissenswürdigen

*) Auf den preussischen Realschulen oder höheren Bürgerschulen wird meistentheils das Lateinische in allen Classen gelehrt, jedoch in mehreren auch nur facultativ d. h. so, dass die Theilnahme von dem Beliaben der Eltern oder Schüler abhängig gemacht wird, was ich freilich aus den oben schon angegebenen Gründen gar nicht billigen möchte. In manchen z. B. in Elberfeld wird das Lateinische

gar nicht, aber es werden drei neuere Sprachen, das Französische, das Englische und das Italiänische

gelehrt.