Aufsatz 
Eine Rede über Trennung und Zusammenhang der Schulen : nebst Anmerkungen
Entstehung
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Volksschule erlangt haben und zu einer über die Volksschule hinausgehenden Bildung geführt werden sollen, also etwa vom 10. Lebensjahre an, einzurichten. Denn wenn der Realschule ein anderes Ziel gesetzt ist oder wenn ihr ein anderes Princip zu Grunde liegt als dem Gymnasium, nämlich das, die Menschenbildung vorzugsweise auf die Kenntniss der Natur und ihrer Erzeugnisse sowie ihrer Bearbeitung durch mensch- liche Kunst zu gründen wozu die Mathematik die nothwendige und durch Nichts zu ersetzende Grundlage ist, weil sie den Maassstab zur richtigen Auffassung und Bestim. mung der Erscheinungen und Kräfte in der Natur giebt, während das Gymnasium die Bestimmung hat, auf die Kenntniss des Menschenlebens, wie es in den zwei gebil- detesten Nationen des Alterthums vorliegt und durch ihre Sprache und Literatur am meisten erkannt wird, die formale und ideale Bildung vorzugsweise zu stützen und von da aus zu der Vorbereitung für diejenigen Berufsarten, welche in der heutigen Welt durch den Geist zunächst auf andere Menschen einzuwirken haben, den allgemei- nen Grund zu legen, so wird es der Natur der Sache am angemessensten sein, dass beide Anstalten schon zeitig getrennt neben einander bestehen, damit jede von Anfang an ihr Ziel ins Auge fassen und jede, durch Nebenrücksichten ungehindert, den Unterricht ihren Zwecken gemäss einrichten könne.

Es versteht sich von selbst, dass beide Arten von Schulen ungeachtet dieser ver- schiedenen Principien Vieles mit einander gemeinsam haben und dass von Anderem zu schweigen das Gymnasium die Mathematik nicht entbehren kann, weil sie zu folgerichtigem Denken und zu scharfer Beweisführung am bessten anleitet und daher in einer wissenschaftlichen Bildungsschule ein wesentliches Element ausmacht, dass das Gymnasium ferner nicht unterlassen kann, Interesse für die Natur zu erwecken und zur Betrachtung ihrer Erscheinungen und Gesetze, wenn auch in beschränktem Umfang, anzuleiten. Aber die Gymnasial-Bildung wird immer leiden, wenn diesen Fächern eine solche Ausdehnung gegeben wird, dass neben ihnen eine vertrautere Bekanntschaft mit dem classischen Alterthum und eine gewisse Sicherheit und Fertigkeit in der Erklärung

seiner Schriftwerke nicht zu erreichen ist. Von der andern Seite hat auch für die Real-

schule die Sprachbildung, schon desswegen, weil die Bildung ohne diese immer einseitig wird und die Sprache das Vehikel aller Erkenntniss und auch die Grundlage der for- malen Bildung ist, einen so hohen Werth, dass eben die Sprachbildung auch in dieser Art von Schulen eine Zeitlang und zwar am bessten in dem früheren Theil ihres Cursus vorherrschen muss. Und wenn in Frage kommt, welches der zweckmässigere Weg sei,