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ihres Geistes gewonnen werden soll und nur dann gewonnen werden kann, wenn ein fester grammatischer Grund schon gelegt ist. Nicht auf das blosse Lesen der Schrift- steller kommt es an, sondern darauf, dass der Schüler sie verstehen, ja in ihnen leben lernt und mit ihnen in einen nahen Gedankenverkehr gebracht wird.
Desswegen dürfte die Idee des Gesammt-Gymnasiums mehr für eine schöne Idee als für practisch ausführbar zu halten sein, und, wenn die Ausführung, um beiden Theilen zu genügen, mit jenen Concessionen an das realistische Princip bewerkstelligt werden sollte, so würden beide Theile zu kurz kommen und die jetzt noch auf einer festen Grundlage ruhenden Gymnasialanstalten würden, während sie an Zahl der Schüler gewännen, von ihrer Höhe herabsinken. Es ist aber leichter Schaden anrichten als wieder gut machen.
Eine Scheidung des Gymnasiums in ein oberes und unteres Gymnasium oder Pro- gymnasium, die von manchen Seiten vorgeschlagen wird, mag in disciplinarischer Hin- sicht einigen Gewinn versprechen. Aber, sowie sie hinsichtlich der Stellung und Be- schäftigung der Lehrer Schwierigkeiten und Nachtheile darbietet, so kann sie insbeson- dere unter Festhaltung der erwähnten Concessionen für die Vereinigung der humanisti- schen und realistischen Tnedenzen keine wesentliche Aushülfe schaffen. Sogenannter Progymnasien bedarf es allerdings noch mehr als bisher an vielen solcher Orte, wo keine Gymnasien sind. Aber da, wo beide Anustalten sind, d. h. Ober- und Unter-Gym- nasium neben einander bestehen, müssen doch beide nothwendiger Weise in der engsten Beziehung zu einander verbleiben und daher dürfte durch die projectirte Scheidung für die Einrichtung des Unterrichts nichts Wesentliches gewonnen werden. Vielmehr würde diese Scheidung für das Gedeihen des oberen Gymnasiums sehr verderblich sein, wenn sie zu einem Vorherrschen des realistischen Princips in dem unteren benuzt werden sollte. Das obere Gymnasium würde alsdann seines rechten Fundaments entbehren.
Mehr als die erste scheint die zweite der oben im Anfang erwähmten Ansichten für sich zu haben. Es ist schwerlich zu läugnen, dass auch für die Bildung der reali- stischen Schüler die Sprachbilbung durchaus nothwendig ist und dass diese eines Theils nur dann wahren Werth hat, wenn sie auf einer sicheren und festen Basis ruht, andern Theils nicht wohl erlangt werden kann, wenn sie nicht eine gewisse Zeit hindurch zum Hauptgegenstand des Unterrichts gemacht wird, ohne durch übermässige Hervorhebung der rein realistischen Fächer beeinträchtigt zu werden. Daher wird die realistische Bildung so wenig als die humanistische leiden, wenn die realistischen Schüler einige


