Aufsatz 
Eine Rede über Trennung und Zusammenhang der Schulen : nebst Anmerkungen
Entstehung
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Gesammt-Gymnasiums selbst sehen sich genöthigt, einige Concessionen zu machen und dadurch dem humanistischen Unterricht die Kraft zu rauben, worauf sein hoher Werth beruht. 1) Sie müssen anerkennen, dass die realistischen Schüler den ganzen humani- stischen Cursus nicht durchmachen können; sie rathen also selbst, in ihrem Gymnasium auf deren mit dem 15. oder 16. Lebensjahre gewöhnlich erfolgenden Abgang Rücksicht zu nehmen und dadurch den Unterricht so einzurichten, dass ihre Bildung auch in den mittleren Classen zu einem gewissen Abschluss gelange. Wie kann das aber gesche- hen, ohne dem humanistischen Princip mehr oder weniger untreu zu werden? 2) Sie wollen das Griechische, ein wesentliches Element der humanistischen Bildung, den Rea- listen erlassen oder den Anfang desselben so spät setzen, dass es in eine Zeit fällt, wo die Realisten schon das ihnen gesteckte Ziel erreicht haben. Diess stört entweder die Einheit des Unterrichts überhaupt oder den stufenweisen Gang des griechischen Unter- richts. 3) Sie wollen auch die Forderungen im Lateinischen soweit ermässigen, dass die Kraft der Schüler mehr oder wenigstens eben so sehr anderen Gegenständen als diesem bisher immer noch Hauptobject der Gymnasial-Bildung gebliebenen Fache zuge- wendet werde. 4) Sie wollen und dieser Plan ist besonders in der neuesten Zeit durch Köchly, Rothert, denen selbst R. Dietsch beistimmt, empfohlen worden den Unterricht in einer fremden Sprache nicht mit dem Lateinischen, sondern mit dem Eng- lischen oder Französischen beginnen lassen. 5) Sie fordern endlich eine Ausdehnung des naturwissenschaftlichen Unterrichts in ihrem Gesammt-Gymnasium, welche mit ge- nügender Ausstattung der übrigen der humanistischen Tendenz näher stehenden Fächer ohne nachtheilige Ueberladung der Schüler nicht zu vereinbaren ist. Durch solche Concessionen scheinen sie selbst anzuerkennen, dass zwei Bildungsprincipe oder, wenn man will, zwei wesentliche Modificationen des Bildungsprincips vorhanden seien, die sich nicht vereinigen lassen, ohne dem einen oder andern Princip oder beiden zu nahe zu treten und ohne in einer und derselben Schule zwei Tendenzen einzufähren, welche der nothwendigen Einheit des Ganzen schaden. Sie schwächen durch ihre Concessio- nen eines Theils die gründliche Sprachbildung, welche nicht bloss nach der bisheri- gen Erfahrung, sondern auch wegen der eigenthümlichen Beschaffenheit der lateinischen Sprache und Grammatik an sich, eben durch diese als Vehikel der Sprachbildung über- haupt am sichersten erlangt wird, um die Erleichterung des Französisch-Lernens durch die Kenntniss des Lateinischen nicht zu erwähnen; andern Theils lähmen sie die ideale Bildung, welche durch das Studium der alten Classiker und durch die Aneignung